Grundlagen Zinsen

 

 

Zinsen spielen für jeden eine wichtige Rolle, nicht nur für Finanzjongleure. Ob klassische Häuslebauer ,Anleihenhändler oder Zentralbanker: jeder sollte die Zinsentwicklung und deren Auswirkungen auf Finanzmarkt und Realwirtschaft auf dem Schirm haben.

 

 

Hintergrund

 

Zinsen können allgemein als der Preis des Geldes gesehen werden. In Zeiten wie diesen, in denen die weltweiten Zentralbanken eine starke expansive Geldpolitik betreiben ist der Preis für das Geld also: geringe Zinsen. Theoretisch befindet sich mehr Geld im Umlauf als nachgefragt wird. In Zeiten hingegen wo eine restriktive Geldpolitik seitens der Notenbanken betrieben wird, ist der Preis des Geldes höher, da die Geldmenge knapp gehalten wird und die Nachfrage somit höher sein kann, als die sich im Umlauf befindende Geldmenge.

 

 

Zinsen – Eine kleiner geschichtlicher Exkurs

 

Seit der Frühgeschichte befassen sich Menschen mit dem Thema Zinsen. Im 18. Jahrhundert vor Christus wurden bereits im babylonischen Reich im  Codex Hammurapi Zinssätze geregelt und definiert. Aber auch in der Bibel , Koran und Thora weisen Stellen auf den Umgang mit Zinsen hin. Beispielsweise hat das Zinsverbot im Koran in vielen arabischen Staaten erhebliche Auswirkungen auf das islamische Banken- und Finanzsystem. Das zeigt, dass Zinsen nicht nur heute sondern seit Jahrtausenden von verschiedenen Menschengruppen kontrolliert und beeinflusst wird. Heute sind es insbesondere die Zentralbanken wie z.B. die FED, EZB, SNB, BOJ und BOE, um einige zu nennen, die einen großen Einfluss auf die Zinspolitik haben.

 

 

Der Zinseszinseffekt

 

Um eine Vorstellung über die Auswirkungen von Zinsen und deren Veränderungen zu erhalten, bietet sich die Veranschaulichung anhand des Zinseszinseffekt an. Hohe oder niedrige Zinsen können gerade über längere Zeiträume deutliche Effekte auf Anleihen, Unternehmenswerten, Krediten oder Sparanlagen haben. Folgende Grafik verdeutlicht dies anhand drei verschiedenen Anlagen mit drei unterschiedlich konstanten Zinssätzen.

 

 

 

 

Der Zinseszins führt dazu, dass bei einem konstanten Zins von 1 Prozent pro Jahr über einen Zeitraum von 25 Jahren aus 1000 Euro insgesamt 1282,43 Euro werden (Blau Linie). Bei einem doppelt so hohem Zinssatz von 2 Prozent pro Jahr (orange Linie) werden aus 100 Euro bereits 1640,61 Euro. Wird jedoch ein viermal höherer Zinssatz von 4 Prozent pro Jahr (graue Linie) angenommen, so führt dies nochmals zu einem deutlichen Anstieg auf 2665,84 Euro.  Dies verdeutlicht, dass der Endbetrag umso größer ausfällt, je höher der Zins und die Laufzeit sind. Der Verlauf zeigt auch, dass der exponentielle Anstieg sowohl als Gläubiger, als auch Schuldner nicht zu vernachlässigen ist.

 

 

Die Zinsstrukturkurve

 

Als Zinsstrukturkurve wird allgemein eine grafische Darstellung bezeichnet, in der die Höhe des Zinssatzes in Abhängigkeit von einer Einflussgröße gezeigt wird. Die Analyse von Zinsstrukturkurven dient zur Beurteilung von wirtschaftlichen Entwicklungen sowie zur Erstellung von Prognosen. Darüber hinaus spielen Zinsstrukturen bei der Bewertung von Anleihen und bestimmten Finanzderivaten eine wichtige Rolle.

 

Am häufigsten werden Zinsstrukturen in Abhängigkeit von der Laufzeit dargestellt, das ist aber keineswegs die einzige Möglichkeit. Nicht selten dienen auch das Risiko, die Anlageform oder andere Faktoren als Einflussgrößen bei der Abbildung. Die Darstellung von Zinsstrukturen erfolgt üblicherweise als zweidimensionale Grafik. Im Folgenden wird vor allem auf die laufzeitabhängige Zinsstrukturkurve Bezug genommen, da sie die größte praktische Bedeutung besitzt.

 

 

Es gibt mehrere typische Zinsstrukturverläufe, die sich in diesem Kontext in der Realität beobachten lassen:

 

  • die steigende Zinskurve: hier steigen die Zinssätze bzw. Renditen von verzinslichen Einlagen oder Wertpapieren mit zunehmender (Rest)laufzeit. Das heißt, je länger das Kapital bei Anlagen gebunden ist, umso höher ist auch der Zinssatz, der dafür am Markt verlangt und gezahlt wird. Die steigende Zinskurve stellt den Regelfall dar, sie ist im Zeitablauf am häufigsten und längsten zu beobachten:

 

 

 

 

  • die flache Zinskurve: in diesem Fall gibt es keine laufzeitabhängigen Zinsunterschiede. Diese Konstellation tritt bevorzugt dann auf, wenn mit sinkenden Zinsen gerechnet wird:

 

 

 

 

  • die inverse oder fallende Zinskurve: bei dieser Situation treten bei längeren Laufzeiten niedrigere Zinssätze auf. Auch hier kann die Erwartung sinkender Zinsen als Erklärungsansatz dienen, es gibt aber auch andere Erklärungsmodelle. Inverse Zinskurven lassen sich oft im Vorfeld von drohenden Rezessionen feststellen und dienen insofern auch als Prognose-Instrument:

 

 

 

 

Zinsen und ihr Einfluss auf den Devisenmarkt

 

Die Leitzinsen der jeweiligen Währungsräume und ihre unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten, haben auch einen erheblichen Einfluss auf den Forexmarkt. Beispielsweise nutzen Carry-Trader die Unterschiede der Leitzinsen zwischen zwei Währungsräumen und versuchen auf Basis der Zinsunterschiede einen Profit zu generieren. Die Möglichkeit bietet sich an, weil Devisen auf eine Veränderung des Zinsumfeldes reagieren. Eine expansive Geldpolitik, also eine Senkung der Leitzinsen, führt in der Regel auch zu einer Abwertung der jeweiligen Währung. Umgekehrt führt eine restriktive Geldpolitik, also eine Erhöhung der Leitzinsen, zu einer tendenziellen Aufwertung der jeweiligen Währung.

 

  • der Zinsbuckel: hier steigen die Zinssätze laufzeitabhängig auf ein Maximum an, um dann bei längeren Laufzeiten wieder abzusinken. Dadurch entsteht in der Zinsstrukturkurve ein „Buckel“. Als Erklärung wird die Marktsegmentierungshypothese herangezogen.

 

 

 

 

Gerne helfen wir Ihnen bei Fragen rund um das Thema Zinsen und natürlich auch über andere finanzrelevante Themen. Schreiben Sie uns doch gerne Ihre konkrete Frage per Mail.

 

 

Disclaimer:

 

Die Inhalte dieses Beitrages dienen lediglich der allgemeinen Information. Sie stellen keine unabhängige Finanzanalyse und keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Sie sollten nicht als maßgebliche Entscheidungsgrundlage für eine Anlageentscheidung herangezogen werden. Die Inhalte sind niemals dahingehend zu verstehen, dass Emden Research den Erwerb oder die Veräußerung bestimmter Finanzinstrumente, einen bestimmten Zeitpunkt für eine Anlageentscheidung oder eine bestimmte Anlagestrategie für eine bestimmte Person empfiehlt oder für geeignet hält. Insbesondere berücksichtigen die Inhalte nicht die individuellen Anlageziele oder finanziellen Umstände des einzelnen Investors. Die in den Inhalten wiedergegebenen Bewertungen, Schätzungen und Prognosen reflektieren die subjektive Meinung des jeweiligen Autors bzw. der jeweils zitierten Quelle, können jederzeit Änderungen unterliegen und erfolgen ohne Gewähr. In jedem Fall haftet Emden Research nicht für Verluste, welche Sie direkt oder indirekt durch eine Anlageentscheidung erleiden, die Sie aufgrund der Inhalte getroffen haben.

 

 

 

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