Grundlagen Rohstoff-Handel

 

 

Widmet man sich den sog. Commodities (Rohstoffe) aus Investment-Perspektive, fällt zunächst auf, dass über die vergangenen Jahrzehnte insbesondere Energierohstoffe im Mittelpunkt des Interesses standen. Der Handel anderer Rohstoffklassen lag dagegen kaum im Fokus der Anleger. So waren Metallvorkommen reichlich, Agrar-Rohstoffe sogar im Überfluss vorhanden: die Versorgung von Industrie und Verbrauchern galt vor diesem Hintergrund als gesichert. Zusehends rücken nun aber auch Angebot und Nachfrage an den weltweiten Rohstoffmärkten in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Sowohl institutionelle Investoren wie auch und Privatanleger zeigen ein steigendes Interesse an einer Geldanlage. In der Folge steigt das in Rohstoffindizes investierte Kapital seit Jahren stetig an. Starke Nachfrage aus Staaten wie Indien und China wie auch aus Tigerstaaten und Schwellenländern, geopolitische Risiken, aber auch regionale Umweltfaktoren sorgen auf den Rohstoffmärkten regelmäßig für eine erhebliche Preisdynamik. Das volatile Kursgeschehen  macht den Rohstoff-Sektor auch für Trader attraktiv, die standesgemäß in eher kurz- bis mittelfristigen Zeitfenstern respektive Anlagehorizonten agieren.

 

 

Rohstoffe vs. Aktien

 

Die internationalen Rohstoffmärkte unterscheiden sich in bestimmten Kriterien signifikant von den Aktienmärkten. Folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede am Beispiel der Agrar-Rohstoffe (Soft Commodities):

 

 

 

 

Klassifizierung von Rohstoffen 

 

Jeder dürfte wissen, wofür Kaffee, Getreide und Zucker, unverbleites Benzin oder Erdgas verwendet werden. Weniger bekannt sind die Terminbörsen und die Handelsmengen. Deswegen sollen an dieser Stelle Rohstoffe, die mit großen Handelsvolumina an den internationalen Rohstoffmärkten gehandelt werden, kurz portraitiert werden. Zunächst einmal wird der Rohstoff-Sektor in drei Anlageklassen unterteilt:  

 

A.) Hard Commodities: Industriemetalle, i.w.S. auch Edelmetalle  

B.) Energies: Fossile Energieträger    

C.) Soft Commodities: Agrar-Rohstoffe

 

In der anschließenden Übersicht sind sämtliche Basiswerte aufgeführt, die unter den betreffenden Rohstoff-Kategorien firmieren:   

 

 

 

 

Geschichte 

 

Der Ursprung der modernen Rohstoffmärkte findet sich in den USA, wo im 19. Jahrhundert der Handel mit landwirtschaftlichen Gütern, wie Weizen, Mais, Rinder und Schweine, in Kontraktform standardisiert wurde. Der heutige Rohstoffhandel basiert darauf, dass Bauern und Landwirte ihre Ernte damals im Voraus auf Termin verkaufen wollten. Auf diese Weise konnten sich Anbieter gegen Preisschwankungen absichern und hatten dabei unmittelbar Zugriff auf das aus dem Verkaufspreis resultierende Kapital: der Verkäufer gewann also Planungssicherheit. Genau dies erreichte auf der anderen Seite auch der Käufer. Der Abnehmer erzielte im Gegenzug Planungssicherheit hinsichtlich des Einkaufspreises und der Lieferung der Ware: sprich er gewann Unabhängigkeit von möglichen Lieferengpässen in der Zukunft.  

 

 

Gegenwart

 

Stellt man sich diesen Termin-Handel nun computerisiert und standardisiert vor, findet man sich an den heutigen Future-Märkten wieder. Da der Termin-Handel für alle Marktteilnehmer geringere Risiken und damit größere Planungssicherheit bedeutete, repräsentiert er heute den Status Quo beim Rohstoffhandel. Produzenten und Unternehmer, die unmittelbar Ware gegen Geld tauschen wollen, werden indes am physischen „Spot“- oder „Kassa“- Markt aktiv. Für Rohstoff-Investoren sind die Future-Märkte deswegen so attraktiv, da sie die Spekulation auf Kursbewegungen gewährleistet, ohne die physische Rohstoff-Lieferung nebst etwaiger Lagerung in Kauf nehmen zu müssen (Ausnahme: Edelmetalle). Anleger, die ein Commodity-Investment ausschließlich zur Wertanlage beabsichtigen, erwerben statt des physischen Rohstoffs den korrelierenden Future-Kontrakt.  

 

 

Futures Trading 

 

Der Verkäufer eines Commodity-Futures (standardisierter Vertrag) verpflichtet sich zur Lieferung eines Rohstoffes in bestimmter Menge und Qualität, an einem bestimmten Ort und zu einem festgelegten Zeitpunkt in der Zukunft (daher Future). Der Käufer verpflichtet sich wiederum, zu exakt diesem Zeitpunkt den vereinbarten Kaufpreis (nämlich den Future-Kurs) zu zahlen.  Wie bereits erwähnt, unterscheiden sich Futures-Märkte auch bzgl. der Haltedauer von Aktienmärkten. So gibt es für Commodity-Future-Kontrakte unterschiedliche Laufzeiten und einhergehende Verfalltermine. Energie-Futures wie Rohöl oder Erdgas besitzen bspw. monatliche Verfallstermine. Baumwolle kann erntebedingt wiederum nur mit Fälligkeiten im März, Mai, Juli und Dezember gehandelt werden. Die Haltedauer bei Aktien hängt dagegen von der individuellen Entscheidung des Investors ab.  Marktteilnehmer, die ausschließlich zur  Kapitalanlage in Rohstoff-Futures investieren, werden mit der physischen Lieferung von Rohstoffen also nichts zu tun haben wollen. Da aber jeder Futures-Kontrakt eine klar definierte Laufzeit mit einem fixen Fälligkeitstermin hat, gilt es die Position rechtzeitig im Vorfeld zu schließen. Möchte der Anleger weiterhin in dem entsprechenden Rohstoff investiert sein, muss der Erlös aus dem betreffenden Verkauf in eine länger laufende Future-Position reinvestiert werden.

 

 

Funktionalität Rollover

 

Der Wechsel von einem Future in den nächsten wird als  Rollover bzw. rollen bezeichnet. Da jeder Rohstoff-Future abhängig von der Laufzeit einen individuellen Preis ausweist, wird der nächst-fällige Future, in den gerollt werden soll, auf einem anderen Kursniveau notieren. Der Erlös aus dem alten Future kann also kleiner oder größer als der Betrag ausfallen, der zum Kauf des neuen bzw. länger laufenden Futures benötigt wird.  Für das Rollen aus einem auslaufenden Future in einen länger laufenden Kontrakt existieren aus diesem Grund zwei unterschiedliche Preiskonstellationen, die Contango (Aufschlag) und Backwardation (Abschlag) genannt werden.

 

In der Regel dominiert bei den meisten Rohstoff-Kontrakten das Contango-Szenario. Das heißt der länger laufende Future notiert preislich höher als der kürzer laufende. Der Grund findet sich in dem Umstand, dass eine Ware, die einen späteren Liefertermin besitzt, also länger gelagert (höhere Lagerkosten) werden muss, mit einem betreffenden Preisaufschlag gehandelt wird.

 

 

Notiert der Preis für den länger laufenden Future-Kontrakt dagegen tiefer als der Future-Kontrakt, der mit einer kürzeren Laufzeit ausgestattet ist, ist von sog. Backwardation die Rede. Diese Konstellation reflektiert die Markterwartung, dass der Rohstoff bis zu Fälligkeit des längeren Futures an Wert verlieren wird.

 

 

 

Die rollbedingte Wertsteigerung bzw. -minderung wirkt sich nicht unmittelbar auf den Investitionsbetrag aus, da der Anleger zunächst wertneutral von einer Laufzeit in die andere umschichtet. Die Position bezieht sich zwar auf weniger Einheiten des betreffenden Rohstoffs, jedoch ist diese pro Einheit mehr wert. Im Gegensatz zu bspw. Aktienindex-Futures, die stets Contango ausweisen, quotieren die meisten Rohstoffe zeitweise in Contango oder Backwardation.  

 

 

Terminbörsen 

 

Schauen wir uns nun einmal die Waren-Terminbörsen etwas genauer an. Bis heute behauptet Chicago (CBOT & CME) die Marktführerschaft beim Futures-Handel mit land-und viehwirtschaftlichen Rohstoffen. Mittlerweile haben die Märkte für Soft-Commodities aber zumindest relativ an Bedeutung verloren – mitunter auch ethisch begründet.  Die wertmäßig größten Handelsvolumina werden immer noch mit Energieträgern umgesetzt. Dabei steht Rohöl (Crude Oil) nach wie vor an erster Stelle: die wichtigsten Rohstoff-Futures laufen auf Light-Sweet-Crude-Oil. Die US-Sorte WTI wird an der New Yorker NYMEX gehandelt, das europäische Pendant ‚Brent‘ dagegen an der Londoner ICE. Klassische Industriemetalle werden vor allem an der London Metal Exchange (LME) getradet, Edelmetalle dagegen primär an der NYMAX in New York.

 

 

 

Gold – Ein Handelsbeispiel  

 

Abschließenden widmen wir uns einem praktischen Handelsbeispiel. Ein Investor geht davon aus, dass Gold steigen wird. Zu diesem Zeitpunkt notiert der Kassa-Kurs bei 1.220,20/1.220,50 USD je Feinunze. Unser Anleger entschließt sich nun einen Standard-Kontrakt zum Briefkurs von 1.220,50 zu kaufen. Ein Standard-Kontrakt entspricht dabei exakt 100 Feinunzen.  Da der Anleger über einen CFD Broker handelt, gilt es eine Sicherheit (= sog. Margin) je Kontrakt zu hinterlegen. Die Margin-Anforderung des Brokers beträgt 3 Prozent, was einem Wert von 3.661,50 USD entspricht.  Zur Risikoabsicherung platziert er einen Stopp-Loss 10 USD unterhalb des Einstiegskurses. Das Verlustrisiko beträgt damit: 1 Kontrakt x 100 USD pro Punkt x 10 USD = 1.000 USD. 

 

Ohne das Stop-Loss-Niveau zu reißen ist der Goldpreis Tage später tatsächlich gestiegen und der Goldpreis handelt nun bei 1.240,50/1.240,70 USD. Unser Investor möchte den Gewinn mitnehmen und stellt die Position zum Geldkurs von 1.240,50 USD je Feinunze glatt. Der Handelsgewinn des Short-Trade errechnet sich nun wie folgt: vom Schließungskurs wird der Eröffnungskurs subtrahiert. Das Ergebnis lautet: 1240,50 – 1220,50 = 20,00 USD. Das Resultat wird nun multipliziert mit dem Kontraktwert bzw. der darin enthaltenen Anzahl an Feinunzen. Der Gewinn lautet demzufolge: 1 Kontrakt x 100 USD pro Punkt x 20,00 USD = 2.000 USD.   

 

 

 

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