Grundlagen Technische Analyse – Teil 2:

 

 

Zur Einordnung der Formationsanalyse in den Gesamtkomplex der technischen Analyse sei hier nochmal die Grafik des grundlegenden charttechnischen Anwendungspektrums aus dem ersten Teil dieses Tutorials vorangestellt:

 


Formationsanalyse

 

Die Formationsanalyse im weiteren Sinne  beschäftigt sich mit der Lehre sämtlicher geometrischer Kursverläufe. Durch das Vorliegen bestimmter Chartmuster (Trendlinien, Trendbestätigungs- und Trendwende-Formationen) sollen Wahrscheinlichkeiten für den Kursverlauf in der Zukunft prognostiziert werden. Zum selben Zweck erfolgt die Lokalisierung aussagekräftiger Widerstands- und Unterstützungszonen sowie potentieller Trendentwicklungen. Konkrete Trendbestätigungs- respektive Konsolidierungsformationen sowie konkrete Trendwendeformationen gehören zur Formationsanalyse im engeren Sinne. Preisformationen können sich auf allen Zeitebenen entwickeln. Dabei gilt: je längerfristiger die Ausgestaltung, desto relevanter die Formation.

 

Die Formationsanalyse gibt nicht zuletzt wertvolle Hinweise für das Timing, sprich den sinnvollen Einstieg in wie auch den Ausstieg aus einer Handelsposition (‚Entry & Exit‘-Strategie). Gerade bei der Platzierung von ‚Stop Loss‘-Marken (Risk-Management) kommen den sog. ‚Support- und Resistance‘-Levels eine große Bedeutung zu.


Trendlinie & Trendkanal

 

Die Trendlinie gehört zu den ältesten Analysemethoden und zählt damit zu den Klassikern der technischen Analyse. Sie besticht durch ihre Einfachheit und Effektivität. Trendlinien resultieren aus der graphischen Verbindung steigender Verlaufstiefs in Aufwärtsbewegungen (= steigender Trend bzw. Aufwärtstrend) bzw. fallender Verlaufshochs in Abwärtsbewegungen (= fallender Trend bzw. Abwärtstrend).

 

Trendlinien dienen zur Begrenzung von steigenden bzw. fallenden Kursen. Letztere laufen die Trendlinie regelmäßig an, können diese aber nie durchbrechen, sondern prallen immer wieder ab. Findet sich dieses Szenario im gleichen Zeitfenster sowohl auf der Oberseite, als auch auf der Unterseite, erhält man zwei Trendlinien, deren visuelle Kombination wiederum einen Trendkanal ergibt. Abhängig von der Trendrichtung findet der Kurs innerhalb des Kanals jeweils seine sukzessiv ansteigende bzw. fallende Widerstands- und Unterstützungszone.

 

DAX: Trendlinie & Trendkanal

Quelle: tradingview

 


Unterstützung & Widerstand

 

Unterstützungen (Support Level) und Widerstände (Resistance Level) entwickeln sich häufig nahe Preisregionen, innerhalb derer sich bereits in der Charthistorie markante Kurshochs und -tiefs ausgestaltet haben. Daraus kann eine erhöhte Wahrscheinlichkeit resultieren, dass besagte Kurszonen auch der künftigen Preisdynamik Einhalt gebieten. Vor diesem Hintergrund sind übrigens auch psychologisch relevante Preisniveaus im Bereich runder Zahlen zu berücksichtigen (bspw. 1000er-Marken beim Dax).

 

Erfolgte zuvor eine Aufwärtsbewegung fungiert die betreffende Kursregion als Widerstand. Im umgekehrten Fall handelt es sich um eine Unterstützung. Wird eine Widerstand – bzw. Unterstützungszone nachhaltig gen Norden oder Süden überwunden, wechselt sich der Barriere-Charakter, sprich das Resistance Level wird im weiteren Verlauf zum potentiellen Support und vice versa. Verläuft der Kurs nach einer längeren Aufwärts- oder Abwärtsbewegung längerfristig auf einem bestimmten Preisniveau, spricht man von einer potentiellen  Top- oder Bodenbildung.

 

DAX: Unterstützung & Widerstand

Quelle: tradingview

 


Seitwärtstrend

 

Rangiert bzw. pendelt das Kursgeschehen stetig zwischen zwei konstanten Kursniveaus, ist von einem Seitwärtstrend (= Sägezahnmarkt o. Trading Range) die Rede. Die nahezu identischen Hochs und Tiefs auf der Ober- und Unterseite bilden während dieses Zeitraums jeweils horizontale Linien. Werden diese miteinander verbunden ergibt sich ein sog. Seitwärtskanal. In dieser Marktphase kompensieren sich Angebot und Nachfrage des gehandelten Finanzinstruments. Handelsopportunitäten, sei es long oder short, würden sich erst dann ergeben, wenn der Kurs längerfristig und nachhaltig die Ober- oder Unterseite des betreffenden Kanals hinter sich gelassen hat.

 

DAX: Seitwärtskanal

Quelle: tradingview

 

 

Konsolidierungsformationen (potentielle Trendbestätigung)

 

Flagge, Wimpel und Rechteck

 

Bei einer technischen Reaktion (Konsolidierung, Pausierung) handelt es sich um eine temporäre, volatile Gegenbewegung innerhalb des dominierenden Auf- oder Abwärtstrends. Dieses Kursverhalten tritt klassisch in zwei geometrischen Mustern zutage, die jeweils einer Flagge und einem Wimpel gleichen. Derartige Rückholbewegungen lassen  sich zudem via Sägezahnphase in Rechteckform beobachten.

 

Besagten Kursmustern ist gemein, dass sie von zurückgehenden Handelsumsätzen geprägt sind. Nachhaltige Ausbrüche aus diesen potentiellen Konsolidierungsformationen in Richtung des übergeordneten Trends werden als Trendbestätigung gewertet. Dabei sollten sie idealerweise von wieder steigenden Umsätzen begleitet werden. Erst dann dienen sie charttechnisch orientierten Trader als entsprechende Handelssignale.

 

Cable: Flaggen & Wimpel

Quelle: tradingview

 

 

Steigendes und fallendes Dreieck

 

Aufsteigende und fallende Dreiecke zeichnen sich durch eine horizontale Widerstands- bzw. Unterstützungszone aus. Im Falle eines aufsteigenden Dreickecks gleicht das unterhalb der Widerstandslinie befindliche Kursverhalten einer aufsteigenden Diagonale. Sprich bei einem konstanten Preisniveau werden regelmäßig Gewinne mitgenommen. Die resultierenden Preisrücksetzer werden jedoch ebenso regelmäßig für Neupositionierungen genutzt. Dabei steigen die in der Folge entstehenden Kurstiefs jedoch sukzessive an, sprich der Kaufdruck unterhalb der Widerstandszone nimmt kontinuierlich zu.

 

Kommt es dann zum Ausbruch gen Norden, geschieht dies i.d.R. mit hohem Momentum und begleitet von hohen Umsätzen. In diesem Fall läge wiederum ein charttechnisches Handelssignal vor. Bei der Ausgestaltung eines fallenden Dreiecks gilt die Interpretation entsprechend in die andere Richtung. Beide Dreiecksvarianten gehören zu den Konsolidierungsformationen, können aber durchaus auch in anderen Marktphasen auftreten.

 

EuroStoxx50: Steigendes Dreieck

Quelle: tradingview

 


Wendeformationen (potentielle Trendumkehr)

 

Double Top & Double Bottom

 

Ein Double-Top ergibt sich der Form nach aus idealerweise zwei gleichmäßig symmetrischen und sich gen Norden zuspitzenden Dreiecken. Aus diesem Grund wird das Double-Top auch M-Formation. genannt. Die Dreieckspitzen respektive Kurshochs sollten sich wiederum in derselben Preisregion, sprich auf möglichst horizontaler Linie befinden. Die untere Begrenzung der beiden Dreiecke besteht aus einer sog. Nackenlinie, die ebenfalls möglichst horizontal ausgerichtet sein sollte.

 

Analog gilt dies für ein Double-Bottom, auch W-Formation genannt. Die gen Süden zulaufenden Dreieckspitzen sollten eine möglichst symmetrische Ausprägung besitzen, die Kurstiefs dabei auf annähernd gleichem Preisniveau notieren. In diesem Fall befindet sich die Nackenlinie entsprechend oberhalb der W-Formation.

 

Beide Formationen gehören zu den potentiellen sog. Wende- bzw. Umkehrformationen, die – wie der Name schon sagt -, nach einem zuvor vorhandenen Trend auf eine mögliche Trendumkehr hinweisen könnten. Bei einem  Double Top muss im Vorfeld also ein bullischer Trend vorgelegen haben, bei einem Double Bottom dagegen ein bearisher Trend. Ein charttechnisches Handelssignal entsteht dann, wenn der Kurs die betreffende Nackenlinie nach den zwei zuvor markierten Hochs bzw. Tiefs erneut nachhaltig in die entgegengesetzte Richtung überwunden hat.

 

Dow Jones: Double Top

Quelle: tradingview

 

 

Schulter-Kopf-Schulter (SKS) & Inverse SKS

 

Die ‚Schulter-Kopf-Schulter‘ – Formation (SKS) gleicht vom Aufbau dem eines Double Tops, allerdings mit einem Unterschied: zwischen den beiden symmetrischen Dreiecken befindet sich ein weiteres, das allerdings eine höhere Dreiecksspitze, sprich ein höheres Preishoch ausweist. Zuvor muss ein bullisher Trend vorgelegen haben. Analog sieht sie Struktur der inversen SKS auf der Unterseite aus, nur halt gen Süden ausgerichtet. In diesem Fall muss also im Vorfeld ein Abwärtstrend vorgelegen haben.

 

Die SKS ist eine der signifikantesten Wendeformationen, die die technische Analyse kennt. Interpretation und Handelsopportunität ergeben sich wie bei Double-Top und -Bottom. Erst nach finaler Ausgestaltung der dreifachen Top- bzw. Bottom-Formation inklusive anschließendem nachhaltigen Durchbruch durch die unterhalb bzw. oberhalb der Dreiecke befindlichen Nackenlinie ergibt sich ein charttechnisches Handelssignal. Dieses weist dann in die entgegengesetzte Richtung des zuvor erfolgten Haupttrends.

 

DAX: SKS

Quelle: tradingview

 

 

Rounding Top & Rounding Bottom

 

Beim Rounding Top handelt sich um einen langsamen und der Form nach ovalen bzw. runden Übergang von einem Aufwärtstrend in einen Abwärtstrend (= sukzessiv aufteigende und wieder absteigende Preishochs), der bei der Unterseitenvariante (Rounding Bottom) einem Teller bzw. einer Untertasse gleicht – deswegen auch Teller- oder Untertassenformation genannt.  Damit steht diese Umkehrformation im optischen Kontrast zu den sonst üblichen, häufig von deutlichen und scharfen Konturen geprägten Kursformationen.

 

Charttechnische Interpretation und Handelsopportunitäten gleichen ansonsten den zuvor erläuterten Wendemustern. Erst nach finaler Ausgestaltung der ovalen Formation nebst nachhaltigem Durchbruch durch die unterhalb bzw. oberhalb befindliche Nackenlinie ergibt sich ein charttechnisches Handelssignal. Dieses weist dann wiederum in die entgegengesetzte Richtung des zuvor dominierenden Haupttrends.

 

Sugar: Rounding Top

Quelle: tradingview

 

 

Weiter geht es mit der Analyse der Marktdynamik sowie in diesem Kontext ausgewählter Indikatoren und Oszillatoren im dritten Teil dieser Präsentation: Grundlagen Technische Analyse III.

 

Disclaimer:

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