Grundlagen Technische Analyse – Teil 1:

 

Starten wir den Einstieg in die Grundlagen der Charttechnik mit einer Gegenüberstellung der Fundamentalanalyse. Über diese Abgrenzung lassen sich die wesentlichen Charakteristika der technischen Analyse bereits im Vorfeld gut veranschaulichen.

 


Technische Analyse vs. Fundamental Analyse

 

Die Fundamentalanalyse beschäftigt sich mit mikro- und makro-ökonomischen Zusammenhängen (beispielsweise Leitzinssatz, Arbeitsmarktdaten, Geschäftsberichte, Bewertung der Qualität der Unternehmensführung etc.). Der Fundamentalanalyst verwendet also mikroökonomische Unternehmensdaten sowie makroökonomische Konjunktur- und Wirtschaftsinformationen als Basis für die Prognose der Kapitalmärkte im Allgemeinen – und individueller Basiswerte wie bspw. Aktien im Besonderen.

 

Die technische Analyse richtet ihren Fokus dagegen ausschließlich auf die Kurshistorie, sprich die Preis- und Umsatzentwicklung der gehandelten Finanzinstrumente. Dies erfolgt maßgeblich auf der Grundlage statistischer Auswertungen. Der Charttechniker beobachtet und analysiert vor diesem Hintergrund die vergangene Entwicklung der Kapitalmärkte, um deren zukünftige Tendenz zu prognostizieren. Zudem geht er davon aus, dass das gegenwärtige Kursgeschehen bereits alle relevanten Fundamentaldaten und Markterwartungen beinhaltet, letztere also im aktuellen Kurs des betreffenden Underlyings komplett eingepreist sind.

 

 

Zeitliche Orientierung

 

Eine grundsätzliche Chartanalyse startet in der Regel mit den Monats- und Wochencharts. Erst im Anschluss gilt es sich mit dem Tageschart oder gar noch kleineren Zeiteinheiten auseinanderzusetzen (Top-Down-Procedere). Trader, die in primär sehr kurzfristigen Zeithorizonten agieren, widmen sich dann zur Feinabstimmung noch den Intraday-Charts.

 

Mit anderen Worten: Tages- und Wochencharts sind für die mittel- bis langfristige Analyse geeignet und rücken in den Fokus von Anlegern und Investoren. Markteilnehmer, die ihren Handel auf kurzfristige Zeitfenster ausrichten, aber eine umso höher Handelsfrequenz ausweisen, blicken insbesondere auf Intraday-Charts.

 


 


Preisvisualisierung, Formationsanalyse und Marktdynamik

 

Auf Grund seines hohen Nutzwertes stellt der Chart das Fundament der technischen Analyse dar. Vor diesem Hintergrund ergeben sich zahllose Charting-Methoden und Analyse-Techniken. Grundsätzlich können dabei drei Anwendungsbereiche unterschieden werden, aus denen auf den folgenden Seiten jeweils einige Analyseformen exemplarisch erläutert werden sollen:

 

  • Preisvisualisierung: Chartdarstellung (bspw. Candle-Stick- oder Point & Figure Charts u.a.)
  • Formationsanalyse: Chartmuster bzw. geometrische Kursformationen (z.B. Trendlinien,
    Bestätigungs- und Wende-Formationen, Candle-Stick-Formationen u.a.)
  • Marktdynamik: Trendermittlung (Trendstärke, Marktlagen-Extreme, mathematisch
    abgeleitete Indikatoren und Oszillatoren)

 

 

 

Preisvisualisierung (Darstellungsanalyse)

 

Bei der Darstellungsanalyse steht die spezifische Form der Chartdarstellung, sprich die Preisvisualisierung und deren Interpretationsmöglichkeiten im Mittelpunkt. Hierzu drei Beispiele:

 

Linien-Chart

 

Der klassische Linienchart ergibt sich durch die graphische Verbindung der Höchst-, Tiefst-, Eröffnungs- oder Schlusskurse der betreffenden Zeitintervalle miteinander. Standard ist vor diesem Hintergrund die Verbindung der jeweiligen Schlusskurse. Als Ergebnis findet sich eine Linie, aus der sich direkt die Preistendenz innerhalb des ausgewählten Chartzeitraums erkennen lässt. Wird der Bereich unterhalb der Linie farblich ausgefüllt, spricht man von einem sog. Berg-Chart.

 

Nikkei: Linienchart

Quelle: tradingview

 

 

Bar Chart (Balken Chart)

 

Ein einzelner Balken resultiert aus der Verbindung von Tiefst- und Höchstkurs des betreffenden Zeitintervalls mit einer vertikalen Linie (Balken). Die Visualisierung des Eröffnungs- und Schlusskurses erfolgt mittels eines horizontalen Strichs auf der linken (Eröffnungskurs) und auf der rechten Seite (Schlusskurs) des Balkens. Über diese Darstellungsvariante können bspw. Schwankungsintensität (Volatilität) und Kurslücken (Gaps) identifiziert werden. Je volatiler ein Finanzinstrument, desto risiko-, aber auch chancenreicher ist es.

 

Nikkei: Balkenchart

Quelle: tradingview

 

 

Candle Sticks (Kerzen Chart)

 

Beim Kerzenchart handelt es sich gewissermaßen um eine Weiterentwicklung des Balkencharts. Eine einzelne Kerze resultiert aus der Verbindung von Tiefst- und Höchstkurs des betreffenden Zeitintervalls durch eine vertikale Linie (Docht & Lunte). Zwischen Eröffnungskurs (EK) und Schlusskurs(SK) findet sich der Kerzenkörper.

 

  • EK > SK = Grüne Kerze (positiver Trend)
  • SK < EK = Rote Kerze (negativer Trend)

 

Eine Kurstendenz innerhalb des betreffenden Zeitintervalls ist also direkt an der Farbe des Kerzenkörpers ersichtlich. Darüber hinaus kann die Länge von Docht, Körper und Lunte wichtige Hinweise auf die zukünftige Marktentwicklung geben. So indiziert beispielsweise eine lange grüne Kerze mit kurzem Docht eindeutige Marktstärke, da der Schlusskurs nahe dem innerhalb des Zeitintervalls markierten Hochs notiert. Vice versa lässt sich eine Marktschwäche aus einer langen roten Kerze mit kurzer Lunte interpretieren. Ein kleiner, kaum wahrnehmbarer Kerzenkörper mit jeweils geringer Ausprägung von Docht und Lunte weist wiederum auf die Unentschlossenheit der Marktteilnehmer hin.

 

Nikkei: Kerzenchart

Quelle: tradingview

 

Die Formationsanalyse ist erst Gegenstand des zweiten Teils dieser Tutroials über die Grundlagen der technischen Analyse. Da wir aber nun bereits die den Kerzenchart als Visulisierungsvariante erläutert  und zugleich drei erste Interpretationen (Marktstärke, -schwäche und -unentschlossenheit) beschrieben haben, wollen wir ein wenig vorgreifen und zwei potentielle Candle-Stick-Wendeformationen vorstellen:

 


Candle-Stick-Formationen

 

Hammer: potentielle Wendeformation nach einem Abwärtstrend

 

Kriterien

 

A) Auftreten nach Abwärtsbewegung
B) Kerzenkörper mindest. doppelt so groß wie der Docht und max. halb so groß wie die Lunte
C) Kerze kann bullish (grün) oder bearish (rot) sein

 

Interpretation:

 

Starkes bullishes Umkehrsignal = mögliche Gegenbewegung gen Norden

 

 

 

Shooting Star: potentielle Wendeformation nach einem Aufwärtstrend

 

Kriterien:

 

A) Auftreten nach Aufwärtsbewegung
B) Kerzenkörper mindest. doppelt so groß wie die Lunte und max. halb so groß wie der Docht.
C) Kerzenkörper darf bearish (rot) oder bullish (grün) sein.

 

Interpretation:

 

Starkes bearishes Umkehrsignal = mögliche Gegenbewegung gen Süden

 

 

 

Weiter geht es mit der Formationsanalyse im zweiten Teil dieser Präsentation: Grundlagen der Technischen Analyse II.

 

Disclaimer:

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