Grundlagen Fundamentalanalyse – Teil 2:

 

Die Unternehmensanalyse unterscheidet die qualitative von der quantitativen Analyse. Dabei stützt sich die quantitative Unternehmensanalyse auf sämtliche Instrumente der herkömmlichen Bilanzanalyse. Für eine Bewertung unterschiedlicher Unternehmen werden in diesem Kontext die Quotienten der betreffenden Unternehmensdaten verglichen. Als Grundlage dienen die jeweiligen Quartals- oder Jahresberichte der Aktiengesellschaften.

 

 

Unternehmensanalyse als Bestandteil der Fundamental-Analyse

 

 

Globalanalyse, Branchenanalyse und qualitative Analyse werden in den ‚Grundlagen der Fundamentalanalyse – Teil 1‘ behandelt. Im folgenden Abschnitt sollen nun die wichtigsten Kennziffern der quantitativen Unternehmensanalyse hinsichtlich Kalkulation und Interpretation erläutert werden.

 

 

Kurs-Umsatz-Verhältnis

 

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) resultiert aus dem Quotienten von Aktienkurs und Umsatz.

 

 

Das KUV basiert nicht auf dem Gewinn, sondern auf dem Umsatz bzw. Erlös, sprich den Einnahmen, die das Unternehmen im zugrunde liegenden Zeitraum erwirtschaftet. Damit ignoriert die Kennzahl zwar die Profitabilität einer Aktiengesellschaft,  jedoch dient das KUV der Ermittlung eines fairen Preises für Unternehmen, die Verluste schreiben. Dies ist häufig bei noch recht jungen Unternehmen der Fall, die aber nichtsdestotrotz eine vielversprechende Zukunftsaussicht besitzen können. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) wäre vor diesem Hintergrund nicht zielführend, da das Unternehmen ja (noch) keine Gewinne erwirtschaftet. Für große, gestandene Unternehmen besitzt die Kennzahl ebenfalls hohe Relevanz, da für diese der Umsatz nicht so leicht via Bilanzmaßnahmen zu beeinflussen ist wie der Gewinn (siehe KGV). Summa summarum gilt: je niedriger das KUV, desto preiswerter das Wertpapier.

 

 

Kurs-Cashflow-Verhältnis

 

Das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) ergibt sich aus dem Quotienten von Aktienkurs und Cashflow je Aktie.

 

 

Der Cash-Flow repräsentiert den „Bargeldfluss“ und spiegelt damit die Liquidität eines Unternehmens. Er resultiert aus der Differenz von Mittelzufluss und Mittelabfluss. Ist der Cash-Flow positiv, können aus eigener Kraft bspw. Kredite getilgt, Dividenden ausgeschüttet oder Investitionen vorgenommen werden. Das Kurs-Cashflow-Verhältnis gibt Aufschluss darüber, wie sich der Aktienkurs in Relation zur Liquidität des betreffenden Unternehmens verhält. Mit anderen Worten: es bewertet die Entwicklung der Ertragskraft einer Aktiengesellschaft. Dabei handelt es sich um eine der objektivsten Kennzahlen, da die Größe des Cashflows kaum durch Bilanzmaßnahmen beeinflusst werden kann. Die Faustregel lautet: je geringer das KCV, desto preiswerter die Aktie. Vor diesem Hintergrund gilt ein KCV im Bereich von sieben als Gradmesser für eine faire Bewertung.

 

 

Kurs-Gewinn-Verhältnis

 

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) wird über die Division des aktuellen Kurses durch den Konzerngewinn je Aktie ermittelt.

 

 

Das KGV kann gewissermaßen als ein Preis-Leistungs-Verhältnis interpretiert werden. Es gibt an mit welchem Vielfachen des Jahresgewinns das Unternehmen an der Börse bewertet wird. Die Kennziffer repräsentiert vor diesem Hintergrund das Verhältnis des Aktienkurses zur Ertragskraft einer Aktiengesellschaft. Grundsätzlich gilt: je niedriger das KGV, desto besser. So wird bspw. ein Wert von 10 oder niedriger als günstig eingeschätzt. Das Gegenteil wäre bei einem KGV oberhalb von 20 der Fall. Die Problematik bei dieser Kennzahl ergibt sich aus dem Umstand, dass der Gewinn durch kreative Bilanzierungstechniken im Sinne des Unternehmens beeinflusst werden kann. Vor diesem Hintergrund sollte das KGV nur in Ergänzung weiterer Kennzahlen zur Anwendung kommen.

 

 

Kurs-Buchwert-Verhältnis

 

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) stellt den Kurs einer Aktie in das Verhältnis zu ihrem anteiligen Buchwert. Zu diesem Zweck erfolgt die Division des aktuellen Aktienkurses des betreffenden Unternehmens mit dem Buchwert pro Anteilsschein.

 

 

Der Buchwert ergibt sich aus der Summierung aller materiellen (Sachanlagen) sowie immateriellen Vermögensgegenstände (bspw. Markenwert u.a.) sowie der Finanzanlagen eines Unternehmens. Das KBV beziffert nun den Wert, der theoretisch jedem Aktionär zusteht. Demnach bedeutet ein KBV unterhalb von 1, dass man bei Erwerb der Aktie einen größeren Anteil am Eigenkapital erhält, als eigentlich dafür bezahlt wurde. Mit anderen Worten: der Börsenwert notiert unter dem tatsächlichen Wert des Unternehmens. Ein derartiger Abschlag wäre nachvollziehbar, wenn das Unternehmen bspw. Verluste schreibt oder durch größere Abschreibungen Eigenkapital verliert. Wird das Unternehmen aber ohne Grund unter Wert gehandelt, spricht dies für entsprechendes Aufwärtspotential. In diesem Fall gilt: je niedriger das KBV, desto preiswerter die Aktie.

 


Gesamtkapital-Rendite

 

Bei der Gesamtkapital-Rendite (GKR) werden zunächst Gewinn und Zinsaufwand addiert, um den tatsächlich erwirtschafteten Gewinn zu ermitteln. Das Ergebnis wird im Anschluss mit dem Gesamtkapital dividiert. Der resultierende Quotient wird schließlich mit hundert multipliziert.

 

 

Als prozentualer Wert dient die Kennzahl als Gradmesser dafür, wie effizient und profitabel das Unternehmen im betreffenden Zeitraum gewirtschaftet hat. Die GKR ist von hoher Relevanz, da sie gewissermaßen die Qualität des Managements des zu bewertenden Unternehmens widerspiegelt. Die Kennziffer indiziert, wie effizient eine Aktiengesellschaft das vorhandene Kapital nutzt, um Gewinn zu erwirtschaften. Je höher die GKR, desto größer die Kapitaleffizienz.

 


Eigenkapital-Quote

 

Die Berechnung der Eigenkapital-Quote (EKQ) erfolgt über die Division des Eigenkapitals mit dem Gesamtkapital. Das Ergebnis wird anschließend mit 100 multipliziert.

 

 

Die Kennziffer setzt das Eigenkapital eines Unternehmens ins prozentuale Verhältnis zu seinem Gesamtkapital. In diesem Kontext stellt die Eigenkapital-Quote eine wichtige Bewertungsgröße für die finanzielle Stabilität einer Aktiengesellschaft dar. Je höher die EKQ, desto größer sind auch Unternehmensstabilität und –unabhängigkeit einzuschätzen. Dies gilt im selben Maße für die Kreditwürdigkeit der betreffenden Gesellschaft.

 


Momentum

 

Die Ermittlung des Momentums erfolgt über die Division aktueller Wachstumsraten durch den betreffenden Anstieg vorhergehender Perioden.

 

 

Ein steigendes Gewinn-Momentum, bezogen auf das prozentuale Gewinnwachstum, impliziert eine jährliche Erhöhung der prozentualen Zuwachsraten im Gewinn. Das Momentum misst also die Dynamik des Gewinnwachstums. Damit erlaubt die Kennzahl auch eine Einschätzung der langfristigen Gewinnaussichten. An der Börse werden Aktien mit einem hohen Gewinn-Momentum auch als Wachstumsaktien bezeichnet.

 


Dividendenrendite

 

Die Dividendenrendite wird über die Division von Dividende und aktueller Kursnotierung ermittelt.

 

 

Die Dividende wird an sämtliche Aktionäre bzw. Anteilseigner des Unternehmens ausgezahlt. Über die Höhe der Ausschüttung wird im Rahmen der jährlichen Hauptversammlung entschieden. Die Dividendenrendite orientiert sich i.d.R. primär am Unternehmensgewinn. Dax-Unternehmen weisen bspw. eine durchschnittliche Dividendenrendite zwischen 2% und 3% aus.

 


Fazit

 

Die aufgeführten Kennziffern der Fundamentalanalyse liefern wichtige Informationen, ob eine Unternehmensaktie ein sinnvolles Investment darstellen könnte. Dies gilt insbesondere auch für die Beurteilung des Unternehmens im Vergleich zu anderen Marktakteuren der betreffenden Branche (Wettbewerbsvergleich / Bench Marking). Vor diesem Hintergrund greifen alle genannten Kennzahlen zusammen und ergänzen sich. Eine isolierte Kennzahl für sich alleine besitzt nur beschränkte Aussagekraft. Darüber hinaus sollte auch die Fundamentalanalyse nicht als alleiniges Kriterium für die Entscheidungsfindung genutzt werden. Als sinnvolle Ergänzung, nicht zuletzt für das Timing, dient bspw. die technische Analyse.

 

 

Disclaimer:

 

Die Inhalte dieses Beitrages dienen lediglich der allgemeinen Information. Sie stellen keine unabhängige Finanzanalyse und keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Sie sollten nicht als maßgebliche Entscheidungsgrundlage für eine Anlageentscheidung herangezogen werden. Die Inhalte sind niemals dahingehend zu verstehen, dass Emden Research den Erwerb oder die Veräußerung bestimmter Finanzinstrumente, einen bestimmten Zeitpunkt für eine Anlageentscheidung oder eine bestimmte Anlagestrategie für eine bestimmte Person empfiehlt oder für geeignet hält. Insbesondere berücksichtigen die Inhalte nicht die individuellen Anlageziele oder finanziellen Umstände des einzelnen Investors. Die in den Inhalten wiedergegebenen Bewertungen, Schätzungen und Prognosen reflektieren die subjektive Meinung des jeweiligen Autors bzw. der jeweils zitierten Quelle, können jederzeit Änderungen unterliegen und erfolgen ohne Gewähr. In jedem Fall haftet Emden Research nicht für Verluste, welche Sie direkt oder indirekt durch eine Anlageentscheidung erleiden, die Sie aufgrund der Inhalte getroffen haben.

 

 

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