Grundlagen Fundamentalanalyse – Teil 1:

 

Abhängig vom zu untersuchenden Basiswert – sei es bspw. eine Aktie, ein Rohstoff, eine Anleihe oder eine Währung, untersucht die Fundamentalanalyse in der Regel per ‚Top Down‘ – Verfahren zunächst die übergeordnete gesamtwirtschaftliche Situation sowie das Branchenumfeld, bevor es schließlich zur individuellen bzw. einzelwirtschaftlichen Analyse des Underlyings kommt. Die umgekehrte Vorgehensweise, in der zunächst der individuelle Basiswert und erst im Anschluss die übergeordneten Rahmenbedingungen untersucht werden, wird auch als ‚Bottom Up‘ – Technik bezeichnet.

 

 

Grundlagen, Systematik und Prozedere der Fundamentalanalyse im Rahmen einer ‚Top Down‘ – Erhebung sollen nun auf den folgenden Seiten anhand einer Aktiengesellschaft veranschaulicht werden.

 

 

Hintergrund

 

Die Fundamental-Analyse eines börsennotierten Unternehmens verfolgt also nicht nur die Recherche und Evaluierung betriebswirtschaftlicher Daten und Informationen (= Mikro-Analyse), sondern auch die Bewertung der wirtschaftlichen Markt- sowie volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen (Makro-Analyse). Auf Grundlage dieser Bestandsaufnahme soll eine Prognose über die zukünftige Marktentwicklung der betreffenden Aktie erreicht werden.

 

 

Ziel der Fundamentalanalyse ist die Auswahl möglichst günstig bewerteter Finanzinstrumente mit einer zugleich vielversprechenden Perspektive. Dabei geht es letztlich um die Ermittlung konkreter Einstiegssignale, die ein Investment lohnenswert erscheinen lassen. Um vor diesem Hintergrund die zukünftigen Gewinnentwicklung eines börsennotierten Unternehmens prognostizieren zu können, gilt es ein breites Spektrum fundamentaler Daten zu berücksichtigten.

 

 

A Globalanalyse / Makroanalyse

 

Über die sogenannte Global- bzw. Makroanalyse kommt es zunächst zu einer Einordnung der internationalen und nationalen Wirtschaftslage. Auf Grundlage der erhobenen Daten wird die Wirkung auf das Land respektive geografische Umfeld beurteilt, in dem die betreffende Aktiengesellschaft seinen unternehmerischen Schwerpunkt ausübt. Insbesondere Konjunktur, Geldpolitik und Zinsentwicklung sowie die Tendenz der Wechselkurse haben in diesem Kontext eine hohe Relevanz, da sie einen signifikanten Effekt auf die Entwicklung an den Aktienmärkten ausüben.

 

 

Konjunktur: Die wirtschaftliche Entwicklung lässt sich in der Regel in unterschiedliche Konjunkturzyklen unterteilen. Die einzelnen Phasen werden vor diesem Hintergrund durch Aufschwung, Boom, Abschwung und Rezession repräsentiert. Die betreffende Konjunkturlage bzw. -phase wird durch das Wirtschaftswachstum (Bruttoinlandprodukt / BIP), sprich die BIP-Veränderungsrate indiziert. Als weitere wichtige Indikatoren dienen Zustand (Arbeitslosenquote / ALQ) und Entwicklung (Beschäftigungsaufbau) des Arbeitsmarktes.

 

Geldpolitik & Zinsen: Zudem besitzt die Geldpolitik eine hohe Börsenrelevanz. Eine expansive Marschroute der betreffenden Zentral- oder Notenbank, die für reichlich Liquidität innerhalb des Wirtschaftskreislaufes sorgt, begünstigt eine florierende Konjunktur und damit auch steigende Aktienkurse, da mit billigem Geld zum einen die Investitionstätigkeit sowie der Konsum gefördert wird. Auf der anderen Seite sorgen Niedrigzinsen sowie eine hohe Geldmenge, dass das Kapital mangels renditeträchtiger Anlagealternativen ihren Weg an die Aktienmärkte findet. Eine restriktive Geldpolitik via steigender Zinsen und einer Verknappung der Liquidität erzielt den gegenteiligen Effekt.

 

Währung: Genannte Kriterien stehen in einer intensiven wechselseitigen Beziehung und prägen in ihrem Zusammenspiel die betreffenden Währungen und damit auch die Wechselkurse. Summa summarum gehört der Wechselkurs zu den wichtigsten Indikationen für den Zustand einer Volkswirtschaft. Für Unternehmen, die ihre Waren oder Dienstleistungen an internationale Abnehmer exportieren, sind Wechselkursveränderungen direkt mit einer Veränderung ihrer relativen Wettbewerbsposition verbunden. Aus diesem Grund kommen Währungs- respektive Wechselkursanalysen für die Beurteilung der Zukunftsaussichten von Unternehmen mit internationalen Absatzmärkten eine große Bedeutung zu.

 

U.a.: Abhängig von der Produktion/Wertschöpfung, der Beschaffenheit/Zusammensetzung sowie der Logistik/Transport des vom betreffenden Unternehmen hergestellten bzw. angebotenen Produktes oder Dienstleistung kann auch die Preisentwicklung von Rohstoffen (Öl, Industriemetalle, Agrarrohstoffe) und weiterverarbeiteter Rohstoffe einen entsprechenden Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung und damit auch auf die Tendenz des betreffenden Aktienkurses ausüben.

 

 

B Branchenanalyse / Sektoranalyse

 

Im Blickpunkt der Branchenanalyse findet sich die Einschätzung der spezifischen Wirtschaftsbranche, innerhalb derer der das zu analysierende Unternehmen tätig ist. Grob können hier schon mal der Produktions-, der Dienstleistungs- und der Servicesektor unterschieden werden. Dabei kann die jeweilige Branchenanalyse sowohl national, als auch international ausgerichtet sein.

 

 

Neben Daten zum Branchenklima (bspw. ifo-Geschäftsklima) rücken an dieser Stelle insbesondere Auftragseingänge (Einkaufsmanager-Indizes) und Lagerbestandsdaten in den Fokus. Zuletzt genannte Indikatoren weisen auf die Nachfrageentwicklung des betreffenden Branchensektors hin. Darüber hinaus gilt es auch branchenspezifische Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Dies können bspw. gesetzgeberische, steuerliche und sonstige administrative Regulierungen sein. Derartige Sonderfaktoren sind von Sektor zu Sektor unterschiedlich ausgeprägt.

 

Den Ausschlag für eine spezifische Branchenwahl kann auch die Konjunktursensitivität der Unternehmensausrichtung geben. So ist bspw. die Prosperität von Unternehmen aus dem Bausektor, dem Maschinenbau oder dem Industriemetallsektor stark von der konjunkturellen Entwicklung abhängig. Besagte Unternehmen werden deswegen als Konjunkturzykliker bezeichnet. Auf der anderen Seite finden sich auch Branchen, die tendenziell eher unabhängig von der konjunkturellen Lage sind, da sie mit ihren Produkten den täglichen Bedarf der Bevölkerung abdecken. Dazu gehören bspw. Versorger, Telekommunikationsdienstleister oder Hersteller von essentiellen Konsumgütern. Anteilsscheine dieser Anbieter werden als defensive Titel bezeichnet.

 

 

C Unternehmensanalyse / Mikroanalyse

 

Die Unternehmensanalyse versucht ein möglichst objektives und umfassendes Bild des zu beurteilenden Unternehmens zu erstellen. Grundsätzlich wird diesbezüglich die qualitative von der quantitativen Unternehmensanalyse unterschieden:

 

 

Qualitative Unternehmensanalyse: Gegenstand der qualitativen Analyse ist die Beurteilung der Unternehmensstruktur. Vor diesem Hintergrund wird u.a. die Wettbewerbsposition, die Qualität des Managements, Produktionsprogramm und –verfahren, Innovationsfähigkeit sowie der Forschungs- und Entwicklungsaufwand bewertet.

 

Quantitative Unternehmensanalyse: Die quantitative Unternehmensanalyse basiert wesentlich auf den Instrumenten der herkömmlichen Bilanzanalyse. Für eine Bewertung unterschiedlicher Unternehmen werden in diesem Kontext die Quotienten der betreffenden Unternehmensdaten verglichen. Als Grundlage dienen die jeweiligen Quartals- oder Jahresberichte der Aktiengesellschaften. Die sich ergebenden Bewertungsgrößen werden als Kennzahlen bzw. Kennziffern bezeichnet. In diesem Kontext spricht man bei der quantitativen Analyse auch von der Kennzahlenanalyse. Folgende Kennziffern kommen i.d.R. zur Anwendung:

 

 

Betreffende Kennzahlen sind allerdings nur dann aussagekräftig und vergleichbar, wenn die Bilanzen der Unternehmen nach einheitlichen Regeln aufgestellt wurden. Die ausführliche Erläuterung der quantitativen Analyse nebst oben aufgeführter Kennziffern ist Gegenstand des zweiten Teils dieser Präsentation: Grundlagen der Fundamental-Analyse Teil 2.

 

 

Disclaimer:

 

Die Inhalte dieses Beitrages dienen lediglich der allgemeinen Information. Sie stellen keine unabhängige Finanzanalyse und keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Sie sollten nicht als maßgebliche Entscheidungsgrundlage für eine Anlageentscheidung herangezogen werden. Die Inhalte sind niemals dahingehend zu verstehen, dass Emden Research den Erwerb oder die Veräußerung bestimmter Finanzinstrumente, einen bestimmten Zeitpunkt für eine Anlageentscheidung oder eine bestimmte Anlagestrategie für eine bestimmte Person empfiehlt oder für geeignet hält. Insbesondere berücksichtigen die Inhalte nicht die individuellen Anlageziele oder finanziellen Umstände des einzelnen Investors. Die in den Inhalten wiedergegebenen Bewertungen, Schätzungen und Prognosen reflektieren die subjektive Meinung des jeweiligen Autors bzw. der jeweils zitierten Quelle, können jederzeit Änderungen unterliegen und erfolgen ohne Gewähr. In jedem Fall haftet Emden Research nicht für Verluste, welche Sie direkt oder indirekt durch eine Anlageentscheidung erleiden, die Sie aufgrund der Inhalte getroffen haben.

 

 

Advertisment ad adsense adlogger