Grundlagen Strategie-, Risk- und Money-Management

 

Die Basis einer jeden Handelsstrategie ist eine logische Überlegung. Wann und warum soll welcher Basiswert über welches Anlageprodukt und in welche Marktrichtung gehandelt werden? Es gilt sich also die Frage zu stellen warum die ausgewählte Strategie oder das konkrete Investment überhaupt profitabel sein soll. Die Antwort, sprich der Grund für den positiven Erwartungswert muss einfach und verständlich formulierbar sein. Erst im Anschluss erfolgt dann die Festlegung des konkreten Gewinnziels sowie des einzugehenden Risikos (Risk- & Money-Management). Dabei muss das Risiko in einem sinnvollen Verhältnis zum potenziellen Ertrag stehen.

 

Chance-Risiko-Profile fungieren gewissermaßen als finaler Qualitätsfilter für potentielle Einstiegsignale. Agieren Trader oder Anleger konsequent nach einem derart systematischen Ansatz, so setzen sie ihre Handelsstrategie effizient um. Auf diese Weise wird sichergestellt, das Rationalität das Handeln bestimmt und nicht Impulsivität, der Todfeind jedes Depots: Aktionismus. Eine Handelsstrategie ist im Prinzip also nichts anderes als eine Reihe klar definierter Vorgaben. In diesem Regelsystem gilt es folgende Kriterien festzulegen:

 


A) Markt-Bestimmung

Innerhalb einer Strategie gilt es also zunächst einzugrenzen, welche Märkte respektive Anlageklasse im Handelsfokus stehen sollen. Wenn die Wahl auf Aktien fällt stellt sich die Frage des geographischen Hintergrundes. Dabei ist natürlich auch der individuelle Kenntnis- und Wissensstand ausschlaggebend. Sollen es vor diesem Hintergrund primär deutsche Anteilsscheine sein oder kommen auch amerikanische Titel in Frage? Müssen es überhaupt Einzelwerte sein oder rücken eher Aktienindizes wie Dax, Dow, Nasdaq, Nikkei oder EuroStoxx in den Fokus.

 

Auch wenn die Handels-Performance natürlich die höchste Priorität erhält, sollten Sie sich dennoch beim Handeln wohl fühlen. Wenn Sie also ethischen Gründen nur ungern eine bestimmte Anlageklasse, bspw. Soft Commodities aus dem Rohstoff-Sektor handeln, verzichten Sie darauf! Am Ende der Marktbestimmung steht jedenfalls immer die Auswahl des konkreten Basiswertes. 

 

 

B) Festlegung des Zeithorizonts

 

Bei der Bestimmung des Zeithorizonts geht es um den präferierten Anlagehorizont, sprich die Haltedauer und die damit einhergehende Handelsfrequenz. Sind Sie Trader und möchten Sie sich damit eher kurzfristig positionieren? Umso höher wird die Handelsfrequenz ausfallen. Handelssignale können vor diesem Hintergrund vielfältiger Natur sein. Diese können bspw. auf der Charttechnik oder auf dem Sentiment beruhen. Oder Sie sind bspw. News Trader und stellen sich im Vorfeld impulsträchtiger Veröffentlichungen seitens der Geldpolitik, der Konjunktur oder von Unternehmen im Zuge der Berichtssaison auf. Natürlich spielen beim Handel in kurzfristigen Anlagehorizonten auch ihre zeitlichen Ressourcen eine wichtige Rolle. Sie müssen also sicherstellen, dass Sie zeitlich überhaupt in der Lage sind einen Trading-Ansatz zu verfolgen. 

 

Auf der anderen Seite könnten Sie aber auch einen konservativen sprich langfristigen Anlageansatz bzw. Investment-Horizont verfolgen, bspw. eine Dividendenstrategie über defensive Qualitätstitel aus der Versorger- und/oder Konsumgüterbranche. Hierbei würde es dann um eine ‚Buy & Hold‘ – Strategie gehen und sich die Handelsfrequenz entsprechend auf ein Minimum reduzieren.

 

Aus der Wahl des Anlagehorizonts ergibt sich schließlich die Selektion des adäquaten Finanzinstruments. Trader agieren wegen der Kapitaleffizienz verstärkt über gehebelte, derivative Anlagevehikel wie Zertifikate, Optionen oder CFDs. Investoren wählen dagegen das klassische Direktinvestment, sprich sie positionieren sich unmittelbar physisch im betreffenden Underlying. Lanfristig orientierte Anleger kaufen also bspw. die Aktie direkt und legen sie ins Depot.


            

 

 

C) Entry-Strategie: Das Einstiegssignal

 

Weiß man nun welchen Markt und innerhalb welchen Zeitrahmens und damit über welches Finanzinstrument man handeln möchte, gilt es die betreffenden Kriterien respektive Signale für die Eröffnung einer Position zu bestimmen. In Schritt C geht es also um die Beantwortung der Frage nach dem „Wann“. Wir befinden uns nun im Bereich der Marktanalyse. Dabei unterscheidet man grundsätzlich zwischen zwei Ansätzen:

 

 


Beide Analysetechniken werden ausführlich innerhalb individueller Abhandlungen in unserer Academy erläutert: Schauen Sie in diesem Kontext bitte unter ‚Grundlagen Fundamental-Analyse‘ und/oder ‚Grundlagen Technische Analyse‘. Entscheiden Sie dann, welchem Ansatz Sie folgen möchten und halten Sie die betreffenden Einstiegskriterien optimalerweise schriftlich fest. So ist die Auswertung und auch sukzessive die Optimierung einer Handelsstrategie nebst Einstiegssignalen möglich. Hier gilt die alte Devise: „Wer schreibt, der bleibt.“

 

Beide Analyse-Techniken ergänzen sich übrigens gegenseitig. Darüber hinaus gibt es natürlich noch weitere Analyseformen, nicht zuletzt bspw. die Evaluierung des Sentiments. Dies würde an dieser Stelle aber den Rahmen sprengen. Folgen Sie jedenfalls konsistent den betreffenden Einstiegskriterien, gehören  impulsives Handeln und Performance-gefährdender Aktionismus der Vergangenheit an. Sie handeln ab sofort nach einem regelbasierten System.  

 


D) Exit Strategie: Risk- und Money-Management

 

Kommen wir nun zur wahrscheinlich wichtigsten Komponente eines Handelssystems. Eigentlich vergleichsweise simpel und schnell erläutert, aber absolut fundamental für den langfristigen Erfolg an den Finanzmärkten. Eine vollständige Handelsstrategie und damit auch jede individuelle Positionierung  beinhaltet, neben den bereits erläuterten Komponenten, IMMER auch ein adäquates Risiko- und Money-Management, dem es ohne Ausnahme konsequent zu folgen gilt.

 

Bei der Exit-Strategie geht darum, wann der Ausstieg nach betreffender Positionierung erfolgen soll. Dies gilt für sowohl für das Gewinn-Szenario via Platzierung einer ‚Take-Profit‘ – Order, als auch für das Verlust-Szenario per Hinterlegung eines ‚Stop-Loss‘ – Auftrages. Das Risk-Management fokussiert sich zunächst auf das Risiko pro Trade respektive der konkret zu eröffnenden Position. Mit einem ‚Stop-Loss‘ – Auftrag wird bereits vor jedem Trade das maximale Risiko respektive Verlustpotential fixiert.

 

In welcher Preisregion eine potentielle Verlustbegrenzung und Gewinnmitnahme sinnvoll ist, unter Berücksichtigung der charttechnischen Ausganglage (Unterstützungen, potentieller Trendbruch etc.), dafür gibt nicht zuletzt die Charttechnik wertvolle Hinweise. Verlaufshochs- und Tiefs, entsprechende Unterstützungen und Widerstände fungieren dabei als Orientierungskriterien. Das Verhältnis zwischen ermittelter Chance (= potentieller Profit) und maximalen Verlust (= Risiko), man spricht hier naheliegend vom CRV (Chance-Risiko-Verhältnis), muss dabei in einem sinnvollen Verhältnis stehen.

 

Als Faustregel gilt, dass das CRV (= Chance / Risiko) mindestens ein Verhältnis von 2 zu 1 (= 2/1) ausweisen sollte.  Ist dies nicht der Fall, wird die Position auch nicht gehandelt. Hintergrund ist, stark vereinfachend, folgender Gedanke: bei  einer langfristigen Trefferquote von bspw. 50 Prozent, sprich jeder zweite Trade führt zur Stopp-Auslösung und damit zur Verlustrealisierung, sollen die Gewinner-Trades eine entsprechend profitable Performance über alle gehandelten Positionen hinweg sicherstellen.

 


 

Das Money-Management wiederum berücksichtigt die Auswirkungen des Verlustfall-Szenarios auf das gesamte Depot-Guthaben. Vor diesem Hintergrund wird diejenige Stückzahl für den Positionsaufbau ermittelt, welche die prozentualen Auswirkungen auf das gesamte Depot-Guthaben auf ein zuvor festzulegendes Minimum begrenzt.

 



 

Im Mittelpunkt des Risk- und Money-Managements stehen also:

 

1. Der geplante Ausstiegspunkt (Risiko: Stop Loss)

2. Das erwartete Kursziel (Chance: Take Profit)

3. Die optimale Positionsgröße unter Berücksichtigung des einzugehenden Gesamtrisikos

 


Money-Management

 

Money-Management fokussiert sich auf die optimale Verwaltung und Erhaltung des Depot-Guthabens. Ziel ist die Bestimmung der adäquaten Positionsgröße und der darin enthaltenen Stückzahl unter Berücksichtigung sowohl der sinnvollen Stopp-Distanz zum Einstiegskurs, als auch auch des Gesamtrisikos, das der Trader oder Investor einzugehen bereit ist. Es gilt also innerhalb der Handelsstrategie bzw. vor der konkreten Positionseröffnung festlegen, wie viel Prozent Ihres Depots Sie bereit sind zu riskieren. Kombiniert mit der zuvor gewählten Stop-Entfernung zum Einstiegskurs ergibt sich dann die passende Stückzahl.

 

Erfahrene Trader riskieren vor diesem Hintergrund pro Trade nicht mehr als ein bis zwei Prozent des Kontoguthabens. Der Grund lässt sich eindrucksvoll anhand folgender Tabelle veranschaulichen. Diese soll vor Augen führen, wie schwierig es ist nach einer Anzahl hintereinander ausgestoppter Trades (Draw Down), die mit größerem Risiko eingegangen wurden, wieder zur ursprünglichen Kapitalausgangsbasis zurückzufinden. 

 

 

 

Nehmen wir an, ein Anleger eröffnet zwei Positionen und riskiert dabei jeweils 25 Prozent seines Konto-Guthabens. Beide Trades wurden nun ausgestoppt und der gesamte Kapitalverlust beziffert sich damit auf 50 Prozent seiner ursprünglichen Kapitalausstattung. Das heißt also er müsste beim nächsten Trade schon eine Performance von 100 Prozent realisieren und das zugleich unter Einsatz seines kompletten verbliebenen Kapitals, nur um wieder sein ursprüngliches Kapitalguthaben wieder herzustellen.

 

Diese Auswirkungen werden von den wenigsten Trading-Einsteigern berücksichtigt und sind der Grund warum die Mehrzahl genannter Protagonisten wieder mit Verlusten den Märkten den Rücken kehren. Und genau aus diesem Grund sind ein regelbasierter Handelsansatz nebst konsequentem, diszipliniertem  Risk- und Money-Management die Voraussetzung, um sich auch langfristig an den Märkten behaupten zu können. 

   


Praktisches Handelsbeispiel

 

Hier nun ein konkretes Handelsbeispiel, dass die Umsetzung des Risk- und Money-Managements veranschaulichen soll. Es handelt sich dabei um den kurzfristigen Trade einer Aktie. Aus diesem Grund handelt der Anleger über einen CFD Broker.

 

Ausgangssituation

 

• Geplantes Investment: Long-Position (= Kauf) von Aktie XYZ

• Hintergrund: starkes Aufwärts-Momentum nach überraschend starken Quartalszahlen nebst
   Erhöhung der Gewinnprognose

• Margin beim CFD Broker für betreffende Aktie: 10%

• Aktueller Kurs: 104,00 EUR pro Stück

• Depot- oder Kontogröße bzw. Kapitalausstattung: 10.000,- EUR


Risk-Management

 

• Einstiegskurs (Positionseröffnung): 104,00 EUR

• Risikobegrenzung (Stopp-Loss-Platzierung) knapp unterhalb des letzten Verlaufstiefs : 103,00 EUR   

• Chance/Kursziel (Take-Profit-Platzierung) knapp unterhalb eines massiven Kreuz-Widerstandes:
   108,00 EUR 

• Potentieller Gewinn pro Aktie: 4 EUR 

• Potentieller Verlust pro Aktie: 1 EUR   

• Chance-Risiko-Verhältnis: CRV = 4 / 1 = 4


Money-Management (Positionsgrößenbestimmung)


• Konto- bzw. Depotgröße: 10.000 EUR

 

• Festgelegtes Gesamtrisiko pro Trade: 1% bzgl. Kontogröße
   0,01 x 10.000 EUR = 100 EUR

 

• Risiko pro Aktie:
   Eröffnungskurs – Stopp-Kurs = Verlust pro Aktie
   104 EUR – 103 EUR = 1 EUR

 

• Gesamt handelbare Stückzahl:
   Gesamtrisiko / Risiko pro Aktie = Stückzahl
   100 / 1 = 100 Aktien

 

• Gesamter Positionswert bei Eröffnung:
   Stückzahl x Aktienkurs = Positionswert
   100 x 104 EUR = 10.400 EUR

 

• Kapitalaufwand bzw. erforderliche Margin beim CFD Broker: 10%
   Prozentualer Margin-Satz x Positionswert = Margin-Betrag
   0,1 x 10.400 EUR = 1.040 EUR

 

• Gesamtchance:
   Stückzahl x Chance pro Aktie = Gesamtchance
   100 Aktien x 4 EUR = 400 EUR

 

• Mögliche Rendite pro Trade:
   Gewinn / aufgewendetes Kapital = Rendite
   400 EUR / 1.040 EUR = 38,5%

 

• Mögliche Rendite bezogen auf das Kontoguthaben:
   Gewinn / Kapitalausstattung = Rendite
   400 EUR / 10.000 EUR = 4%

 

• Demgegenüber stehen 100 EUR möglicher Verlust, was 1% des Kontoguthabens bzw. 9,6% des  
   für den Trade aufgewendeten Kapitals (= Margin) entspricht.

 

 

Weitere Regeln für den Positionsausstieg

 

• Niemals ohne Risiko-Absicherung in den Markt. Keine Position ohne Stopp-Loss ins besondere beim Handel in kurzfristigen Zeitfenstern.

 

• Der Stopp Loss gilt unwiderruflich: Er wird nur verändert, um das Risiko zu reduzieren, niemals um das Risiko bzw. Verlustpotential zu vergrößern.

 

• Sollte sich bspw. eine Trendwende entgegen der ursprünglichen Markteinschätzung abzeichnen oder andere signifikante Gründe den Trade kurz nach Eröffnung grundsätzlich in Frage stellen, sollte die Position postwendend geschlossen werden.

 

• Eine Möglichkeit der dynamischen Gewinnabsicherung stellt das sukzessive Nachziehen eines Stopps dar. Dies lässt sich auch bequem mit einem sog. ‚Trailing-Stopp‘ automatisieren.

 

• Mit der Platzierung einer Stopp-Loss-Order wissen Sie jederzeit um Ihr Gesamtrisiko. Definieren Sie aber nicht nur das maximale Verlustpotential, sondern setzen Sie auch einen imaginären „Zeit-Stopp“. Ein Zeitstopp befreit Ihr Kapital aus einer Position, dessen Wert sich kaum oder gar nicht bewegt. Sie verhindern damit, dass Ihr Kapital unnötig gebunden ist. 

 

 

 

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