Die Blockchain-Revolution

(Emden-Research.com – 3:30 Uhr) – Seit zehn Jahren gibt es nun die Blockchain und immer mehr Branchen entdecken die Technologie für sich. Sie soll wirtschaftliche Prozesse optimieren und allen Akteuren Einblick in Echtzeit gewähren. In den vergangenen zwei Jahren gab es eine enorme Entwicklungsgeschwindigkeit, sowohl auf Seiten internationaler Konsortien als auch bei Start-ups. Allerdings handelt es sich hier noch immer um eine Basistechnologie und viele Ideen und Anwendungen sind allenfalls im Stadium von Prototypen. Wir schauen uns das Ganze genauer an.

Was ist eine Blockchain?

Vereinfacht gesagt ist die Blockchain eine dezentrale Datenbank. Sie ermöglicht die sichere, verifizierbare und manipulationssichere Durchführung von Transaktionen im Internet. Im Grunde genommen ist es eine kryptografische Methode zur Verteilung von Daten und zur Aufzeichnung von Transaktionen mit unveränderbaren Besitz- oder Identitätsdokumenten. Die Stärke der Blockchain besteht nicht nur in ihrer guten Verschlüsselung, sondern auch in ihrer Verteilung der Daten über ein Netzwerk von Computern. Dies macht es für Angriffe schwieriger und teurer.

Die Blockchain-Technologie kann für viele Zwecke eingesetzt werden und eignet sich nicht nur für digitale Bargeldsysteme. Sie kann immer dann zum Einsatz kommen,wenn Informationen öffentlich verfügbar sein sollen und im Nachhinein nicht mehr verändert werden dürfen. Die Vision: eine Ökonomie, die transparenter ist, fälschungssicher und ohne monopolistische Plattformen auskommt. Viele Unternehmen arbeiten zurzeit an Anwendungen der Blockchain- Technologie, zum Beispiel an digitalen Grundbüchern oder Handelsregistern. Viele Aufgaben, die bisher bei staatlichen Behörden lagen, werden in Zukunft von korruptionsfreien Blockchains übernommen. Auch die Koordination vieler vernetzter Geräte (Internet of Things) wird durch die Blockchain möglich. Anhänger der Blockchain-Technologie sind davon überzeugt, dass sie unsere Gesellschaft stark verändern wird. Anhand der folgenden Beispiele soll aufgezeigt werden, wie die Blockchain-Technologie jenseits von Bitcoin eine praktische Bedeutung bekommen kann.

Bild 1)

Quelle: www.cbinsights.com

Vertrauen in Lebensmittelsicherheit

In der Logistik sehen Experten aktuell das größte Anwendungspotenzial für den Einzelhandel. Insbesondere wenn Warenein- und -ausgänge automatisch als Transaktion in die Blockchain geschrieben werden, entsteht so eine automatisierte Prüfung und Überwachung der Lieferkette.

Die Idee, hierfür eine Blockchain zu nutzen, stammt von Walmart und wurde von IBM technisch umgesetzt. Der Blockchain-Kooperation gehören daneben Dole, Golden State Food, Kroger, Nestlé, Tyson Foods und Unilever an.

Die Blockchain bringt nun nicht nur die technischen Voraussetzungen, um logistische Prozesse in einem globalen Netzwerk offenzulegen, sondern auch alle notwendigen Sicherheitseigenschaften. Gedacht ist sie für Landwirte, Erzeuger, Lieferanten, Distributoren, die verarbeitende Industrie, Behörden, Einzelhändler aber auch Verbraucher. Über die Blockchain können sie gesicherte und verlässliche Informationen über die Herkunft und den Zustand der Nahrungsmittel erhalten. Der Zugang zu Detailinformationen ist genau geregelt. Zusätzlich wird jede Transaktion – wie auch in der öffentlichen Blockchain – von allen Teilnehmern geprüft und freigegeben. So entsteht eine „single version of truth“, eine einheitliche Version dessen, was als korrekt betrachtet wird.

Aus technischer Sicht kann jeder, der über einen Internetzugang und Rechnerkapazitäten verfügt, die Blockchain-Technologie nutzen. Generell basiert die Anwendung auf einem Open-Source-Modell. Hierfür bietet IBM von Cloudlösungen über Clients für Smartphones jede erdenkliche Lösung an. Jede Transaktion kann in Echtzeit nachvollzogen werden. Tritt nun eine Unstimmigkeit auf, wird also beispielsweise die Kühlkette eines Produktes nicht konsequent eingehalten, so erhält jeder Teilnehmer, der von der Transaktion betroffen ist, eine Benachrichtigung. Innerhalb von Sekunden lässt sich dann nachvollziehen, welches Produkt betroffen ist, da Produktinformation wie Herkunftsbetrieb, Chargennummer, Verarbeitungsdaten, Ablaufdaten und Lieferungsdetails in der Blockchain gespeichert sind. Lebensmittelhändler und andere Mitglieder des Netzwerkes können so verunreinigte Produkte sehr schnell bis zu ihrer Quelle zurückverfolgen, entsprechende Produkte umgehend aus dem Verkauf nehmen und die Ausbreitung von Krankheiten eindämmen (siehe Bild 2).

Bild 2)

Quelle: IBM Corporation, Fank Yiannas und Walmart

Transparenz auch für den Endverbraucher

Aber nicht nur die Lebensmittelsicherheit ist ein wesentlicher Treiber der Blockchain. In Zeiten des Veganismus und anderen nachhaltigen Lebensweisen spielt insbesondere die Herkunft und Verarbeitung von Lebensmitteln eine zentrale Rolle. Die Informationen sollen daher nicht nur in der Blockchain verfügbar sein. Walmart hat hierfür eine eigene Shopping-App konzipiert, die sich aktuell noch in der Designphase befindet. Kunden sollen damit zukünftig über den Barcode des jeweiligen Produktes alle für sie relevanten Informationen abrufen können. Die Technologie bietet insbesondere für kleine Einzelhändler ein großes Potenzial, da sie häufig nicht über entsprechende Infrastrukturen verfügen.

Auch die Fashion-Branche hat das Potenzial der Blockchain bereits für sich entdeckt. Hier geht es neben der Auskunft von bestimmten Materialien und deren Herkunft insbesondere darum, Produktfälschungen schnell zu erkennen und zu melden.

Die Storage Cloud von Storj Labs

Storj Labs benutzt die Blockchain-Technologie, um ein dezentralisiertes Cloud-System auf Basis freien Festplattenplatzes zu schaffen, der von einer Community (sogenannten Farmern) zur Verfügung gestellt wird (siehe Bild 3). Die Miete für die Speicherkapazität wird in Storjs eigener Kryptowährung erhalten. Gespeicherte Dateien werden zerkleinert und in einzelnen Stücken verschlüsselt über den verfügbaren Speicherplatz verteilt. Für Storj Labs löst die Blockchain-Technologie viele Probleme, die sich daraus ergeben, wenn man Dateien auf dem Home- oder Office-Computer Dritter ablegen will. Insbesondere sind diese Speicherplätze gegen Einbrüche geschützt und es werden jeweils drei Kopien angelegt, um genügend Redundanz für einen Crash zur Verfügung zu stellen. Die Blockchain speichert Informationen wie die Netzwerkplätze von jedem Speicheranteil und seinem kryptografischen Hash als Beweis seiner Ablage. Dies dient dem Nachweis, dass das Community-Mitglied noch über dieses Speicherstück verfügt und dass es unverändert ist.

Cloud-Community bedeutet auch, dass man seine Verträge und Einnahmen verliert, falls man seinen Knoten aus der Kette herausnimmt und so andere Mitglieder schädigt. Laut Storj ist seine Blockchain-basierte Storage Cloud so sicher und schnell wie die Angebote von großen Providern, weil die Daten redundant verteilt sind – und das zur Hälfte des üblichen Preises. Der Grund dafür liegt zum großen Teil darin, dass Storj keine riesigen Rechenzentren kaufen und sie mit IT-Technologie und hohem Energieverbrauch füllen muss.

Mit dem Geschäftsmodell von Storj kann jeder Teil der „Sharing Economy“ werden. Denn es ist eine Tatsache, dass Individuen über ungenutzte Festplattenkapazität verfügen und dass es momentan unmöglich ist, etwas Sinnvolles oder Profitables damit anzufangen. Wir als einzelne haben nicht die Ressourcen, sie selbst zu verkaufen, Rechnungen zu erstellen, säumigen Zahlern hinterherzulaufen und so weiter. Blockchain umgeht alle diese Hindernisse.

Bild 3)

Quelle: www.storj.io

Fazit

Die Blockchain-Revolution basiert aktuell noch auf einer jungen Technik. Aber die Grundideen des Erfinders Satoshi Nakamoto bieten für unsere Zukunft viele attraktive Optionen. Dezentralität, Transparenz und gemeinsame Kontrolle ohne externe Instanz könnten ein Schlüssel für viele Probleme der Zukunft sein. Aus diesem Grund sollte man sich jetzt umfassend mit der Blockchain-Technologie befassen und bereits beim Beginn dieser Bewegung aktiv mit dabei sein.

Analyse geschrieben von Oliver Bossmann, Marktanalyst von Emden-Research.com

Disclaimer:

Die Inhalte dieses Beitrages dienen lediglich der allgemeinen Information. Sie stellen keine unabhängige Finanzanalyse und keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Sie sollten nicht als maßgebliche Entscheidungsgrundlage für eine Anlageentscheidung herangezogen werden. Die Inhalte sind niemals dahingehend zu verstehen, dass Emden Research den Erwerb oder die Veräußerung bestimmter Finanzinstrumente, einen bestimmten Zeitpunkt für eine Anlageentscheidung oder eine bestimmte Anlagestrategie für eine bestimmte Person empfiehlt oder für geeignet hält. Insbesondere berücksichtigen die Inhalte nicht die individuellen Anlageziele oder finanziellen Umstände des einzelnen Investors. Die in den Inhalten wiedergegebenen Bewertungen, Schätzungen und Prognosen reflektieren die subjektive Meinung des jeweiligen Autors bzw. der jeweils zitierten Quelle, können jederzeit Änderungen unterliegen und erfolgen ohne Gewähr. In jedem Fall haftet Emden Research nicht für Verluste, welche Sie direkt oder indirekt durch eine Anlageentscheidung erleiden, die Sie aufgrund der Inhalte getroffen haben.

Oliver Bossmann arbeitet schon seit über 15 Jahren mit CFD- und FX-Brokern zusammen. Er besitzt ein umfangreiches Wissen über die Programmierung von Handelssystemen, fundamentaler sowie technischer Marktanalyse. Oliver Bossmanns Devise beim Trading: Diversifikation in unterschiedlichen Anlageklassen und etablierten Strategien ist Trumpf! Bevor er zu Emden Research kam, hat Herr Bossmann als Finanzmarktanalyst die Forschungsabteilungen in Deutschland für den US-amerikanischen Broker FXCM und den in London ansässigen Broker ETX Capital geführt. Davor hat er als Leiter Trading für FXFlat erfolgreich die Konten von privaten Klienten und Organisationen verwaltet. Als ausgewiesener Finanzmarkt-Insider hat er das Potential von Blockchain-Technologie und Kryptowährungen für die Finanzbranche und das moderne Geldsystem schon früh erkannt und sich in den vergangenen Jahren auf diesen Bereich fokussiert.



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