Bitcoin, Iota und Co.: Gründe für den Crash

(Emden-Research.com – 14:09 Uhr) Über Gründe, Kurstreiber und Ausblicke in den vergangenen Tagen von Emden-Research Analyst Oliver Bossmann. Ein Kommentar:

Der Kurs des Bitcoin befindet sich im freien Fall und ist bereits unter die Marke von 4.500 Dollar gefallen. Steckt mehr dahinter oder ist das eine normale Kursschwankung?

Der Auslöser für die herben Kursverluste hatte fundamentale Gründe. Doch mittlerweile haben sich auch markttechnische Faktoren dazugesellt, die zu der Fortführung des starken Abverkaufs führten. Auch wenn sich der Bitcoin-Kurs in den vergangenen drei Monaten in einer relativ engen Seitwärts-Range bewegte und es so schien, als ob die hochvolatilen Zeiten bei Kryptowährungen vorbei seien, muss man sich immer klarmachen, dass digitale Währungen eine volatile Anlageklasse sind. Diese recht junge Anlageklasse besitzt aufgrund des frühen Stadiums, in dem sich der Kryptomarkt noch befindet, im Vergleich zu den etablierten Anlageklassen eine geringe Marktkapitalisierung. Daher können hohe Kursschwankungen mit relativ wenig Kapital verursacht werden. Nicht zuletzt deswegen liegen Tagesschwankungen auch mal schnell im zweistelligen Prozentbereich.

Was könnte der Grund für die derzeitige Talfahrt sein?

Die Hard Fork bei Bitcoin Cash hat die gesamte Kryptoszene, und vor allem Investoren, verunsichert. Es zeigte sich, dass die Kryptobranche noch nicht erwachsen geworden ist. Denn aus Gründen von Eitelkeiten, geringer Kompromissfähigkeit und Ränkespielen wurde Kapital vernichtet. Das verlorene Vertrauen löste allgemeinen Verkaufsdruck aus, der dann die Kurse von Bitcoin und anderen Kryptowährungen unter wichtige charttechnische Marken führte. Ab diesen Punkt nahm es eine Eigendynamik an, die die Talfahrt beschleunigte.

Auch an den Aktienmärkten ging es zuletzt deutlich nach unten. Sehen Sie einen Zusammenhang?

Ein Zusammenhang zwischen den Kursrückgängen könnte nur insofern bestehen, als das ein Crash an den traditionellen Märkten im Zuge des Risk-Off-Modus zu Verkäufen in den Kryptowährungen geführt haben könnte. Aktuell hört und liest man jedoch, dass sich in den letzten Tagen viele Trader und Spekulanten, die im Kryptomarkt aktiv waren, auf der Suche nach Volatilität von Kryptowährungen abwendeten, um die in jüngster Zeit hochvolatilen Tech-Aktien zu handeln.

In den vergangenen Monaten wurde immer wieder über ein Engagement größerer Banken oder Finanzdienstleister beim Handel mit Bitcoin und Kryptowährungen berichtet. Was hat sich hier beim Bitcoin-ETF getan?

Die Herausgabe von ETFs ist ja momentan noch von der SEC auf „Hold“ gestellt. Eine Freigabe vonseiten der Finanzmarktaufsicht ist bislang noch nicht absehbar, da die Bedenken einfach noch zu groß sind. Aber in den vergangenen Monaten zeigte sich, das Banken und große Finanzdienstleister in die Strukturen des Kryptomarktes investieren. Denken sie hier nur an die Ankündigung von Fidelity Investments und Bakkt. Die Tatsache, dass sich große Finanzdienstleister, wie etwa die Intercontinental Exchange (ICE) und Fidelity Investments, zunehmend engagieren, weist darauf hin, dass das Interesse an Kryptowährungen vonseiten institutioneller Investoren groß ist und in Zukunft weiter steigen könnte. Die ICE bereitet sich derzeit auf den Start der Handelsplattform Bakkt vor, der in den kommenden Monaten erwartet wird. Über die Bakkt-Plattform sollen physisch abgerechnete Bitcoin-Futures-Kontrakte angeboten werden. Auf der anderen Seite kündigte der Finanzdienstleister Fidelity Investment seine Plattform Fidelity Digital Assets an. Die Plattform wird die Aufbewahrung von Krypto-Assets und Trading-Lösungen für institutionelle Akteure anbieten.

Können sich die Kryptowährungen überhaupt als neue Anlageklasse etablieren?

In den nächsten Jahren werden sich viele Anwendungsbereiche auf Grundlage von Blockchain und Distributed-Ledger-Technologie (DLT) herauskristallisieren, davon bin ich überzeugt! Denken Sie nur an die Möglichkeiten, die „Tokenisierung“ bzw. Security Token Offerings bei der Kapitalbeschaffung für Startups und mittelständische Unternehmen bietet. Wenn sich die rechtlichen Rahmenbedingungen für Security Tokens geregelt haben, wird die Anlageklasse Kryptowährung in eine neue Dimension wachsen.

Vom Rekordhoch bei rund 20.000 Dollar ist der Bitcoin-Kurs meilenweit entfernt. Kann es noch weiter runtergehen?

Es sieht alles danach aus, als hätte der Bitcoin-Kurs noch Luft nach unten. Sowohl die Charttechnik, als auch die Marktverfassung bzw. das Sentiment deuten darauf hin, dass der Boden noch nicht gefunden ist. Aus Sicht der Charttechnik ist nach dem Durchbruch unter die charttechnisch wichtige 5600-Dollar-Marke der Weg für den Bitcoin-Kurs bis zur 3000-Dollar-Marke frei. Hier befindet sich die nächste nennenswerte Unterstützung. Auf jeden Fall ist die Blase geplatzt. Für meine Begriffe ist aktuell eine Übertreibung nach unten im Gange. Denn die fundamentale Lage für Bitcoin & Co. hat sich eher verbessert. Neben den Engagements der großen Banken und Börsen in Bezug auf den Handel und Abwicklung, sind mit der Implikation von Lightning auch große Fortschritte bei der Skalierungsproblematik gemacht worden.

Wie geht es mit den Altcoins weiter?

Gerade bei vielen Altcoins sehe ich großes Potential. Denn die Blockchain-Technologie in Verbindung mit Smart Contracts ist momentan eine der innovativsten Technologiebereiche. Die Möglichkeiten, die uns diese Technologie gibt, sind bislang noch gar nicht vollends absehbar und werden sich auch erst in den kommenden Jahren herauskristallisieren. Natürlich gibt es hier Licht und Schatten und es liegt jetzt beim Investor, seine Hausaufgaben gut zu machen und die besten Projekte und Plattformen zu finden. Denn eines ist auch klar, in diesem evolutionären Prozess gehört es einfach dazu, dass viele Altcoin auch wieder verschwinden werden.

Kennen Sie bereits unsere Krypto-Performance-Matrix? Werfen Sie doch einen Blick auf die Performer der vergangenen 30,60 und 90 Tage.

Analyse geschrieben von Oliver Bossmann, Marktanalyst von Emden-Research.com

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Die Inhalte dieses Beitrages dienen lediglich der allgemeinen Information. Sie stellen keine unabhängige Finanzanalyse und keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Sie sollten nicht als maßgebliche Entscheidungsgrundlage für eine Anlageentscheidung herangezogen werden. Die Inhalte sind niemals dahingehend zu verstehen, dass Emden Research den Erwerb oder die Veräußerung bestimmter Finanzinstrumente, einen bestimmten Zeitpunkt für eine Anlageentscheidung oder eine bestimmte Anlagestrategie für eine bestimmte Person empfiehlt oder für geeignet hält. Insbesondere berücksichtigen die Inhalte nicht die individuellen Anlageziele oder finanziellen Umstände des einzelnen Investors. Die in den Inhalten wiedergegebenen Bewertungen, Schätzungen und Prognosen reflektieren die subjektive Meinung des jeweiligen Autors bzw. der jeweils zitierten Quelle, können jederzeit Änderungen unterliegen und erfolgen ohne Gewähr. In jedem Fall haftet Emden Research nicht für Verluste, welche Sie direkt oder indirekt durch eine Anlageentscheidung erleiden, die Sie aufgrund der Inhalte getroffen haben.

Oliver Bossmann arbeitet schon seit über 15 Jahren mit CFD- und FX-Brokern zusammen. Er besitzt ein umfangreiches Wissen über die Programmierung von Handelssystemen, fundamentaler sowie technischer Marktanalyse. Oliver Bossmanns Devise beim Trading: Diversifikation in unterschiedlichen Anlageklassen und etablierten Strategien ist Trumpf! Bevor er zu Emden Research kam, hat Herr Bossmann als Finanzmarktanalyst die Forschungsabteilungen in Deutschland für den US-amerikanischen Broker FXCM und den in London ansässigen Broker ETX Capital geführt. Davor hat er als Leiter Trading für FXFlat erfolgreich die Konten von privaten Klienten und Organisationen verwaltet. Als ausgewiesener Finanzmarkt-Insider hat er das Potential von Blockchain-Technologie und Kryptowährungen für die Finanzbranche und das moderne Geldsystem schon früh erkannt und sich in den vergangenen Jahren auf diesen Bereich fokussiert.

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