Schweizer Börse SIX will Mitte 2019 mit digitaler Plattform starten

(Emden-Research.com – 13:00 Uhr) – Laut eines Berichts von Reuters geht die Schweizer Börse SIX davon aus, dass ihre traditionelle Handelsplattform in Zukunft von der SIX Digital Exchange (SDX), einer auf Distributed Ledger Technology (DLT) basierenden Alternative, überholt wird. Die ersten Dienstleistungen der SDX sollen Mitte 2019 lanciert werden. Zur Erklärung:

Ein Distributed Ledger (verteiltes Hauptbuch) ist eine Art Datenbank, die auf mehrere Standorte, Regionen oder Teilnehmer verteilt ist. Die Datenspeicherung muss also dezentral erfolgen, sonst würde es einer zentralisierten Datenbank ähneln, wie sie die meisten Unternehmen heute verwenden. Auf den ersten Blick scheint die Blockchain das gleiche zu sein. Die Blockchain ist jedoch nur eine bestimmte Art von Distributed Ledger. Der Name Blockchain bezieht sich darauf, dass Transaktionen oder Daten in Blöcken zusammengefasst und an eine Kette von bereits verifizierten Blöcken angehängt wird. Ein Distributed Ledger muss aber nicht zwangsläufig in Form einer Kette existieren. Das bedeutet, eine Blockchain kann als Distributed Ledger bezeichnet werden. Doch nicht jedes Distributed Ledger ist eine Blockchain.

Aus Sicht der SIX haben Distributed Ledgers das Potenzial, Transaktionen zu beschleunigen und Kosten zu senken, da sie die Notwendigkeit einer zentralen Behörde oder eines Mittelsmanns beseitigen. Bei traditionellen Handelsplattformen gibt es immer noch einige Bereiche, die den Einsatz von Papier und Post erfordern. Die DLT-basierte Plattform wird in der Hoffnung entwickelt, diese alten Protokolle zu überholen. Thomas Zeeb, Head of Securities and Exchanges bei der SIX, erwartet, dass die traditionelle Plattform der SIX in den kommenden Jahren von der SDX abgelöst wird.

Die DLT-basierte Plattform wird sich aber nicht nur auf Aktien und Wertpapiere beschränken. Die SDX wird auch neue Dienstleistungen, wie die Tokenisierung von bestehenden Wertpapieren sowie die Integration von heute nicht im Finanzsystem abgebildeten Vermögenswerten, sogenannte Non-Bankable Assets, ermöglichen. Somit wird es auch möglich sein, den Handel mit z.B. Gemälden, Oldtimern und mehr auf der Plattform abzuwickeln. Es ist auch geplant, Unternehmen bei der Einführung eines Initial Coin Offerings (ICOs) zu unterstützen, um Kapital für ihre jeweiligen Vorhaben aufzunehmen. So will die SIX dazu beitragen, das Geschäft der Unternehmen anzukurbeln und ihre Plattform breit verfügbar zu machen.

Mehrere internationale Börsen, wie die Deutsche Börse, arbeiten derzeit an Projekten, die dem der SIX ähneln. Denn das plötzliche Wachstum beim Handel mit Kryptowährungen hat neue, schnell wachsende Börsen auf den Plan gerufen, wie Coinbase in San Francisco oder Binance in Hongkong, die in kurzer Zeit Millionen von Kunden gewannen. Aus Sicht der traditionellen Börsen ist zu befürchten, dass ihnen die neuen Kryptobörsen in den Bereichen Tokenisierung, Handel, Abwicklung und Verwahrung von digitalen Vermögenswerten in Zukunft den Rang ablaufen. Deshalb ist zu erwarten, dass in nächster Zeit immer mehr traditionelle Börsen eigene Plattformen und Dienstleistungen rund um das Thema Tokenisierung und digitale Vermögenswerte vorstellen werden.

Die SIX muss noch Rechtsfragen mit der Finanzmarktaufsicht und dem Bund klären. Sobald aber alle offenen Rechtsfragen geklärt sind, wird die SDX betriebsbereit sein. Zunächst soll sie den Handel von Aktien und Anleihen ermöglichen. Später soll die Plattform dann auch Fonds anbieten, wie Zeeb mitteilte.

 

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Oliver Bossmann arbeitet schon seit über 15 Jahren mit CFD- und FX-Brokern zusammen. Er besitzt ein umfangreiches Wissen über die Programmierung von Handelssystemen, fundamentaler sowie technischer Marktanalyse. Oliver Bossmanns Devise beim Trading: Diversifikation in unterschiedlichen Anlageklassen und etablierten Strategien ist Trumpf! Bevor er zu Emden Research kam, hat Herr Bossmann als Finanzmarktanalyst die Forschungsabteilungen in Deutschland für den US-amerikanischen Broker FXCM und den in London ansässigen Broker ETX Capital geführt. Davor hat er als Leiter Trading für FXFlat erfolgreich die Konten von privaten Klienten und Organisationen verwaltet. Als ausgewiesener Finanzmarkt-Insider hat er das Potential von Blockchain-Technologie und Kryptowährungen für die Finanzbranche und das moderne Geldsystem schon früh erkannt und sich in den vergangenen Jahren auf diesen Bereich fokussiert.



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