Bitcoin, Ethereum und Co.: Karl Marx und die Arbeit der Miner

(Emden-Research.com – 10:06 Uhr) – Bitcoin-Mining läuft wie folgt ab: Um alle Transaktionen nachzuvollziehen, bei denen mit Kryptowährungen gezahlt wird, müssen alle Bewegungen aufgezeichnet und verwaltet werden können. Ein Block entsteht, indem alle in einem bestimmten Zeitraum stattgefundenen Transaktionen in einer Liste zusammengefasst werden. Mit der Hilfe der Miner können alle Vorgänge verbucht und bestätigt werden. Das Mining besteht also darin Blocks aufzudecken und die umgewandelten Hashs der Blockchain hinzuzufügen. Die modernen “Goldschürfer“ sind in der Welt der Kryptowährungen also jene, die ihre Rechenleistung zur Verfügung stellen. Häufig stellt sich das Gefühl ein, dass diese Schürfer keine echte Arbeit verrichten, stimmt das?Man kann sich gut vorstellen, wie der klassische Goldschürfer Arbeit verrichtet, doch bei den virtuellen Minern scheint das schon etwas schwieriger zu sein.

Karl Marx erklärt in seiner Kritik der politischen Ökonomie, dass unter Arbeitskraft oder Arbeitsvermögen alle physischen und geistigen Fähigkeiten eines Menschen begriffen werden mit denen er Gebrauchswerte produziert. Unter diesem Gesichtspunkt verrichten also auch die virtuellen Miner mit Hilfe ihrer geistigen Fähigkeiten Arbeit. Warum scheint es jedoch so, dass diese Art von Arbeit noch nicht die gebührende Anerkennung von den Menschen erhält? Die virtuellen Miner werden entlohnt, jedoch auch belächelt.

Woran das liegen könnte?

Entscheidend ist der Begriff des Gebrauchswertes. Doch erst müssen wir einen Schritt zurück gehen. Was den Waren ihren Wert verleiht ist immer die Arbeit. Arbeit also ist wertschöpfend. Doch Wert ist nicht gleich Wert. Man muss zwischen dem Gebrauchswert und dem Tauschwert unterscheiden können. Waren mit einem Gebrauchswert, wie z.B. Lebensmittel, Elektrogeräte, etc. haben auch einen Tauschwert, da diese in einer kapitalistischen Gesellschaft immer im Tauschprozess erworben werden können. Alle Waren mit einem Tauschwert haben also zwangsläufig einen Gebrauchswert, denn irgendjemand scheint die erworbene Ware zu gebrauchen. Interessanterweise gibt es aber auch Güter, die einen Gebrauchswert haben, jedoch keinen Tauschwert. Man kann sich hier vorstellen, dass die Luft einen Gebrauchswert hat jedoch keinen Tauschwert.

Wenn man die Arbeit der virtuellen Miner betrachtet, könnte man möglicherweise eine Erklärung dafür finden, wieso die Arbeit der Miner nicht immer die entsprechende Anerkennung erhält. Wenn das virtuelle Minen aufgrund der Virtualität nur ein Gebrauchswert bleibt und somit nicht ”greifbar” für den Menschen, dann erklärt sich dadurch auch, wieso das Minen scheinbar kein direkten Tauschwert generiert. An dem Tauschwert wird in einer Gesellschaft jedoch oft gemessen, wie wertvoll oder nützlich eine Ware oder Arbeit ist. Wie sinnvoll dieser Ansatz ist, bleibt hier außenvor.

Eins ist also klar, wenn man den Arbeitswert verstehen will, muss man nicht nur zwischen Gebrauchswert und Tauschwert unterscheiden können, sondern auch sich selbst fragen, welchen Wert und welche Anerkennung man den Waren, der Arbeit und den Menschen, die die Arbeit verrichten, entgegenbringen will.

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Geschrieben von Farida Bouhmidi, Wirtschaftsphilosophin von Emden-Research.com

Farida Bouhmidi, Wirtschaftsphilosophin (B.A.)

Farida Bouhmidi ist Wirtschaftsphilosophin (B.A.). Neben ihrem Studium konnte Sie bereits umfangreiche Erfahrungen im Journalismus und Bankenwesen bei renommierten Unternehmen sammeln. Frau Bouhmidi unterstützt Emden Research, indem Sie durch die Augen einer Philosophin tiefe Einblicke in die Finanzmarkt-Philosophie gewährt.

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