Bitcoin: Geld und Vertrauen

(Emden-Research.com – 13:21 Uhr) – Eine Kuh gegen zwei Ziegen, eine Flasche Milch gegen ein Laib Brot. So tauschte man früher Waren und vertraute darauf, ein gutes Geschäft gemacht zu haben. Aus praktischen Gründen ging man irgendwann dazu über, wertvolle Metalle zu Münzen zu formen und als Tauschmittel einzusetzen.

Später nutze man kein Gold mehr für die Produktion von Münzen, doch das sich im Umlauf befindliche Geld wurde immer durch eine äquivalente Menge an Gold im Besitz der Notenbank abgesichert.

Der Wert des Geldes bezieht sich also immer auf eine entsprechende Menge an Gold. Gold hat also einen Wert. Nun kann man berechtigt die Frage stellen, wenn Gold ein Standard sein soll, dann müsste Gold selbst einen intrinsischen Wert besitzen. Merkwürdig, oder? Wieso sollte Gold solch einen inneren Wert besitzen und Elemente wie Uran oder Natrium nicht?

Wie Sie sehen, kann solch eine Überzeugung nur dann Hand und Fuß haben, wenn sich eine Gemeinschaft kollektiv dafür entscheidet. „So wie eine Linie auf dem Boden erst zu einer Begrenzung wird, wenn eine Gemeinschaft kollektiv beschließt, sie als solche zu akzeptieren, so erhält ein Papier seinen Status als Geld erst durch diesen kollektiven Glauben.“1

Geld wird also von der Gesellschaft als kollektives Gut anerkannt und als Zahlungsmittel akzeptiert.

Man vertraut darauf, dass die Notenbank immer ihr Versprechen halten kann und die entsprechende Goldmenge parat hat.

Iota, Bitcoin und Co.: Kryptowährungen und Vertrauen

Digitale Währungen haben sich in den letzten Jahren stark etabliert und für großes Aufsehen gesorgt. Es wird deutlich, dass Kryptowährungen das Potenzial haben, das Vertrauen in Zentralbanken zu schwächen. Kryptowährungen funktionieren ohne eine zentrale Instanz. Da Kryptowährungen nicht von einer Zentralbank ausgegeben werden, müsste man auch keiner Regierung mehr vertrauen. Wo einst nur der zentralen Instanz vertraut wurde, schaffen digitale Währungen das Vertrauen zu dezentralisieren. Jede Transaktion wird durch eine öffentliche Historie überprüft, so kann sichergestellt werden, ob eine Transaktion legitim ist. Neue Kryptowährungen werden vom Netzwerk kreiert und nicht von einer Notenbank. Digitale Währungen haben es also geschafft, eine Verschiebung des Vertrauens einzuleiten.

Für viele Menschen ist die neue Welt der Kryptowährungen hochinteressant und für einige erschreckend. Berechtigt, denn so wie einem Fremden nicht sofort vertrauen würden, so brauchen Sie, um Bitcoin und Co. zu vertrauen, vor allem eins – Zeit. Nehmen Sie sich ruhig davon, so viel Sie brauchen.

Droemer: Der Wert des Geldes, in: Hohe Luft Kompakt, Sonderheft 1/2016, Philosophie und Wirtschaft.

Kennen Sie bereits den Begriff der Krise? Lesen Sie den nächsten Artikel.

 

Analyse geschrieben von Farida Bouhmidi, Wirtschaftsphilosophin von Emden-Research.com

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Farida Bouhmidi, Wirtschaftsphilosophin (B.A.)

Farida Bouhmidi ist Wirtschaftsphilosophin (B.A.). Neben ihrem Studium konnte Sie bereits umfangreiche Erfahrungen im Journalismus und Bankenwesen bei renommierten Unternehmen sammeln. Frau Bouhmidi unterstützt Emden Research, indem Sie durch die Augen einer Philosophin tiefe Einblicke in die Finanzmarkt-Philosophie gewährt.



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