Bitcoin: Vom Tausch- und Gebrauchswert von Kryptowährungen

Wenn Sie danach gefragt werden, was Bitcoin, Ripple und Co. wert sind, was antworten Sie dann? Schauen Sie sich den aktuellen Kursstand an und geben sich mit dem dort angegebenen Wert zufrieden? Was sind Kryptowährungen tatsächlich wert? Für einige Betrachter bietet der Kurswert bereits genug an Information. Doch an dieser Stelle möchte ich auf einen anderen viel konkreteren Aspekt eingehen: Den Tausch- und Gebrauchswert von Kryptowährungen. Um die Begriffe genauer zu verstehen, müssen wir etwas weiter zurück in die Geschichte blicken.

Das klassische Wertparadoxon – Eine philosophische Betrachtung

Ich möchte hier an das Wasser-Diamanten-Paradoxon des Ökonomen John Law anknüpfen. Der schottische Bankier und Nationalökonom hat in seinem Werk Money and Trade Considered auf ein sehr interessantes Phänomen aufmerksam gemacht. Law führt aus, dass Wasser einen großen Nutzen, aber gleichzeitig nur einen geringen Wert hat. Das liegt daran, dass die vorhandene Menge an Wasser viel größer ist, als die Nachfrage nach dieser. Diamanten hingegen haben im Gegensatz dazu nur einen geringen Nutzen, dafür aber einen großen Wert, da die Nachfrage nach ihnen viel größer, als die vorhandene Menge ist. Wieso ist das so?

Nach John Law ist dafür die Verfügbarkeit ausschlaggebend. Egal wie wertvoll eine Ressource ist: Sobald diese reichlich vorhanden ist, sinkt der Wert des Gutes. Er beschreibt als einer der ersten Ökonomen dieses Phänomen und erklärt anhand von Angebot und Nachfrage diesen Sachverhalt. Das Paradoxon wurde dadurch allmählich deutlich, denn die Seltenheit eines Gutes ist noch lange keine Begründung dafür, warum manche Güter so teuer sind, wie sie es sind. Das klassische Wertparadoxon, auch bekannt als Wasser-Diamanten-Paradoxon, nimmt so seinen Lauf.

Der berühmte schottische Philosoph und Begründer der klassischen Nationalökonomie, Adam Smith, hat dieses Paradoxon aufgenommen und es zu lösen versucht. Er knüpft an John Law an und hat den Begriff des Wertes in Tausch- und Gebrauchswert aufgesplittet. Wenn ein Gut einen hohen Gebrauchswert besitzt, so ist nach Smith der Tauschwert dieses Gutes stets kleiner.

Man weiß etwa, dass Wasser lebensnotwendig ist. Ohne Wasser könnte kein Lebewesen überleben. Es wird deutlich, dass der Gebrauchswert dieser natürlichen Ressource extrem hoch ist. Damit einher, geht aber, dass eben deshalb der Tauschwert relativ gering ist. Der Gebrauchswert eines Gutes ist jedoch stets Voraussetzung für den Tauschwert. Einen Diamanten kann man weder essen noch ist dieser in irgendeiner Form überlebensnotwendig. Doch man kann einen Diamanten mit Sicherheit immer für einen hohen Preis verkaufen. Der Diamant hat einen extrem hohen Tauschwert, aber einen nur geringen Gebrauchswert. Adam Smith konnte deutlich machen, dass sich der Tauschwert umgekehrt zu dem Gebrauchswert verhält. Doch auch Smith gelang es nicht, das Pradoxon aufzulösen.

Viele weitere große Denker haben sich mit dem Paradoxon beschäftigt, darunter Karl Marx und David Ricardo. Doch keinem ist es gelungen zu erklären, warum gewisse Güter so teuer sind, wie sie es in der Praxis sind..

Das klassische Wertparadoxon in der Welt von Bitcoin und Co.

Bis heute herrscht also Unklarheit darüber, wie man denn den Wert eines Gutes wirklich präzise bestimmen kann. In der Schnelllebigkeit unserer Zeit wird gerade dies immer deutlicher. Mit dem Durchbruch von Kryptowährungen drängt die Frage, was diese eigentlich wert sind, immer stärker in den Vordergrund. Dass Bitcoin, Etherum und Co. einen sehr hohen Tauschwert besitzen, jedoch nur einen relativ geringen Gebrauchswert, wird deutlich. Man kann Kryptowährungen weder anfassen noch sehen. Sie sind teilweise ein Produkt unserer Gedanken, Vorstellungen und Erwartungen. Etwas Fiktives haftet ihnen an. Es wird deutlich, wie sich durch den digitalen Fortschritt der Gebrauchswert immer stärker auflöst. Paradoxerweise sprengt der Tauschwert dieser Güter zeitweise alle Grenzen der Vorstellungskraft.

Sie als Beobachter dieser Geschehnisse merken, wie gegenwärtig das Paradoxon ist und sich allmählich in ihrem Kopf ausbreitet. Aber keine Angst! Es ist nicht Ihre Aufgabe, ungelöste Paradoxien aufzulösen, um Ihr Verständnis über Kryptowährungen zu verbessern. – Das ist selbst den großen Denkern bisher nicht gelungen. Sie und Ich, wir können jedoch etwas tun: Wir können stets die Frage im Kopf behalten, was uns ganz persönlich eine Sache wert ist und warum.

Solange sich das Paradoxon nicht auflösen lässt, kann man zumindest festhalten, dass mehrere Komponenten eine wichtige Rolle bei der Bestimmung des Wertes für Kryptowährungen spielen: Neben dem Tauschwert, dem realen Gebrauchwert, der Verfügbarkeit und der Nachfrage ist vielleicht gerade heute die ganz persönliche Beurteilung von großer Bedeutung. Auch ein altes Buch oder eine schöne Erinnerung kann von immenser Bedeutung sein – trotz geringen Tauschwerts. Und darauf kommt es schließlich an: Wie wir selbst die Dinge bemessen und somit letztendlich den Wert für alles bestimmen.

Farida Bouhmidi, Wirtschaftsphilosophin (B.A.)

Farida Bouhmidi ist Wirtschaftsphilosophin (B.A.). Neben ihrem Studium konnte Sie bereits umfangreiche Erfahrungen im Journalismus und Bankenwesen bei renommierten Unternehmen sammeln. Frau Bouhmidi unterstützt Emden Research, indem Sie durch die Augen einer Philosophin tiefe Einblicke in die Finanzmarkt-Philosophie gewährt.



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