Das Höhlengleichnis und der Kapitalmarkt – was Anleger und Händler von Platon lernen können

(Emden-Research.com – 14:30 Uhr) – Das Höhlengleichnis. Das wohl bekannteste Gleichnis des antiken Philosophen Platon ist das berühmte Höhlengleichnis. Gefangene sitzen angekettet, ohne die Möglichkeit sich zu bewegen vor einer Wand in einer düsteren Höhle. Auf dieser Wand werden Schatten von Menschen abgebildet, die Gegenstände hin und her tragen. Die angeketteten Höhlenbewohner sehen nur die Schatten auf der Wand und hören Stimmen. Für die Höhlenbewohner ist das gesamte Geschehen auf der Wand die einzige Realität und schlechthin wahr. Jeder Schatten, jede Stimme und jede Bewegung sind für die Bewohner Wirklichkeit. Erst der Ausstieg aus der Höhle ermöglicht den Bewohnern die Sicht auf die wahrhaft Seienden Dinge. Die Philosophie wird nie direkt mit Kapitalmarktthemen in Verbindung gebracht, doch bei genauerer Betrachtung, wird deutlich, dass wir doch ganz schön tief in der Höhle sitzen, oder nicht?

Derivate mehr als nur Schattenprodukte?

Wenn wir uns nun das Höhlengleichnis vor Augen halten und an die Welt der Anleger und Händler denken, darf man berechtigt die Frage stellen, blicken wir auch nur auf eine Wand? Eine Wand, die für uns die Realität darstellt? Sind wir vielleicht doch viel tiefer in der Höhle als wir glauben mögen? Lassen Sie uns den Gedanken weiterführen. Wie würde für uns ein Ausstieg aus der „Höhle“ aussehen, was würde uns erwarten? Die Höhlenbewohner erwartet das wahrhaft Seiende der intelligiblen Welt außerhalb der Höhle. Der Ursprung aller Schatten. Für uns würde dies bedeuten, dass der Ursprung die wahrhaften Basiswerte sind. Bis hier hin scheint sich das Gleichnis gut auf unser Verständnis zu übertragen. Und nun folgt eine kleine Erkenntnis! Im Höhengleichnis wird auch von jener Person berichtet, die es nämlich schaffen konnte, über ihren eigenen Schatten zu springen und die Höhle zu verlassen. Dieser waghalsige Schritt verhalf ihr zur Erkenntnis. Sie konnte nun die Realität und den Schein besser nachvollziehen und ihr Verhalten an diese Umgebung sehr gut anpassen. Auf die Kapitalmärkte bezogen ist es für jeden Marktteilnehmer wichtig, sowohl den Derivatemarkt als auch den Markt der Basiswerte stets zu beobachten, um seine Analysen und Strategien an die neue Umwelt anzupassen.

Was wir aus der Höhle lernen können

Machen wir uns mit einer gewissen Leichtigkeit täglich bewusst, dass wir auch „Höhlenbewohner“ sein können und lassen wir hin und wieder mal den Gedanken durch den Kopf schweifen, dass Derivate „Schatten“ sind, dann scheint eine gewisse Angst zu verschwinden. Denn oft genug entstehen bei Anlegern und Händlern panische Ängste, die Außenstehende meist nicht begreifen. Wenn die Angst vor Verlusten so groß wird, das der eine Schatten bald die physische Macht über uns übernimmt. Also denken wir öfter an Platon, atmen durch und spüren wieder, dass wir mehr über Schatten und Wirklichkeit wissen, als wir denken. Versuchen Sie mit einem Bein in der Höhle zu stehen und mit dem anderen in der Realität. Spüren Sie nicht auch eine kleine Erleichterung, wenn Sie keine Angst mehr vor Schatten haben?

Einen schönen Sonnabend, ihre Farida Bouhmidi.

Quellen:

Trading-Weisheiten. Quellen: – Walter f. Otto et al. (2013): Sämtliche Werke – Platon, Band 1,2,3, Rowohlts Enzyklopädie. – Platon(1982): Politeia – Der Staat, Reclam Ausgabe.

 

Analyse geschrieben von Farida Bouhmidi, Wirtschaftsphilosophin von Emden-Research.com

Farida Bouhmidi, Wirtschaftsphilosophin (B.A.)

Farida Bouhmidi ist Wirtschaftsphilosophin (B.A.). Neben ihrem Studium konnte Sie bereits umfangreiche Erfahrungen im Journalismus und Bankenwesen bei renommierten Unternehmen sammeln. Frau Bouhmidi unterstützt Emden Research, indem Sie durch die Augen einer Philosophin tiefe Einblicke in die Finanzmarkt-Philosophie gewährt.



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